Mörderjagd & Romantik auf Zeitreise
Damit war nicht zu rechnen: Kaum hat Emily ihr Abi in der Tasche erhält sie einen Brief, den ihre lange verstorbenen Mutter für sie hinterlegt hatte. Die 17-jährige wird auf die Fährte eines Familiengeheimnisses gesetzt, das sich gewaschen hat. Sie muss ins englische Hollyhill reisen, das Heimatdorf ihrer Mutter, um endlich mehr über sie und auch sich selbst zu erfahren. Dieser Ort ist nicht so leicht zu finden, er taucht auf keiner Karte auf, scheint nicht mal zu existieren. Denn Hollyhill ist ein Ort, der durch die Zeit reist – und mit ihm seine Bewohner. Welchen Sinn das hat, und welche Rolle ihre Mutter dabei spielt – das will Emily endlich herausfinden. Da kommt ihr bei ihrer Suche der geheimnisvolle Matt als Helfer gerade Recht. Doch dann taucht das Böse auf und macht Jagd auf die junge Frau...
Ich bin nun wirklich nicht die Zielgruppe von romantischen Fantasyromanen. Verliebte Vampire und Werwölfe sprechen eher junge Frauen an, das war schon immer so. Bis eine Autorin oder ein Autor mit den gängigen Erfolgsformeln bricht und etwas neues ausprobiert. Dann merken Leser in- und außerhalb der Zielgruppe auf. „Die Tribute von Panem“ von Suzanne Collins war so ein Buch. Und „Zurück nach Hollyhill“ ist so ein Buch. Dessen Autorin Alexandra Pilz arrangiert vertraute Elemente wie Zeitreisen, Mörderhatz und ein Waisenkind mit geheimnisvoller Familiengeschichte in eine aufregende, Action-reiche Geschichte. „Hollyhill“ kokettiert durchaus mit Zitaten aus Genreklassikern, von „Harry Potter“, über „Doctor Who“ bis „Zurück in die Zukunft“, sicher ein Augenzwinkern in Richtung der popkulturell versierten Fans. Und doch schafft Alexandra Pilz es mühelos, ihr ganz eigenes Universum mit vielschichtigen und schrägen Figuren zu erschaffen.
Die grübelnde, recht teenagerhaft agierende Emily, der geheimnisvolle aber totaaaal romantische Matt, die bereits verstorbene und weiterhin rätselhafte Mutter – „Hollyhill“ wird bevölkert von interessanten Menschen, für die man sich als Leser wirklich zu interessieren beginnt. Autorin Pilz bettet sie in eine wildromantische Rosamunde-Pilcher-Ästhetik, die den britischen Tourismusverband hoffentlich zu einem herzlichen Dankesschreiben inspiriert. Gruselige Moore, zauberhafte Cottages und irrgartenartige Wälder ummanteln Handlung und die gefühlsverwirrte Emily wie ein perfekter Bilderrahmen. Die blutige Bedrohung durch einen irren Serienkiller in der zweiten Romanhälfte wirkt da anfangs sogar etwas fehl am Platze. Doch alles fällt an seinen Platz, und die junge Heldin beweist sich in Zeitreisen vor der historischen und landschaftlichen Kulisse.
Kurz gesagt – ein elegant geschriebenes, clever konstruiertes Buch zwischen Fantasy, Science-fiction, Thriller und Romanze. Ausdrücklich nicht nur für junge Leserinnen.
Der Katzen liebste Hobbies im Kleinformat
Und gleich noch ein doppelter Nachschlag: Was macht Simons Katze außer fressen am liebsten? Genau, schlafen und spielen. In dieser Reihenfolge. Diesen Freizeitbeschäftigungen des Cartoon-Vierbeiners hat Zeichner Simon Tofield jetzt je ein eigenes Büchlein gewidmet. Unter dem Titel "Aufwachen!" und "Spielzeit!" zeigt sich Simons Katze gewohnt von seiner besten Seite - neugierig, egoistisch und fies. Im Bilderbuch-Kleinformat. Und in Farbe.
(von Simone Jung)
Garfields legitimer Nachfolger
Haben Sie Katzen? Dann werden Sie sich und Ihren vierbeinigen Liebling hier ganz bestimmt wieder erkennen. Simons Katze ist vermutlich die berühmteste Cartoon-Mieze nach Garfield. Nervig, faul und mindestens genauso verfressen treibt die weiße Fellkugel ihren menschlichen Dosenöffner in den Wahnsinn. Ihr Ziel fast jeder Miezenmission: Futter!
Ihren virtuellen Eroberungsfeldzug begann "Simon's Cat" bei YouTube, jetzt macht sie sich auf leisen Pfoten auf, die Bücher-Welt zu stürmen: In "Simons Katze gegen den Rest der Welt" kämpft der Vierbeiner mit den Tücken des Alltags sowie der benachbarten Flora und Fauna und findet neue, mitunter sehr kreative Wege, wenn's um die Nahrungsbeschaffung geht. Was im Bewegtbild so super funktioniert, kommt in einzelnen 2D-Bildern zwar nicht ganz so gut rüber, Katzenbesitzer werden dennoch sich und ihren Lieblings-Vierbeiner in der einen oder anderen Situation wieder finden.
(von Simone Jung)
Erika Leonard war mit "50 Shades of Grey" nicht die einzige Skandalautorin unserer Zeit ...
Unser MSN Beitrag zeigt Bücher, die schon lange vor den Sado-Maso Fantasien aus "Shades of Grey" für Aufsehen sorgten. Sie brachen Tabus ihrer Zeit, stürmten die Büchercharts und schafften es teilweise sogar bis nach Hollywood.
Die größten Skandalbücher bei MSN
Ein "Vollidiot" als "Millionär" - das kann nicht gut gehen!
Vom Tellerwäscher zum Millionär? Diese Geschichte wurde schon zu oft erzählt! Deshalb wählte Tommy Jaud die Variante: vom "Vollidiot" (sein Debütroman, verfilmt mit Oliver Pocher in der Hauptrolle) zum "Millionär" (die Fortsetzung). Mit "Überman" wird die amüsante Lebens- und Leidensgeschichte des tragischen Helden Simon Peters nun zur Trilogie.
Die Handlung: Sich vom griechischen Finanzberater zum Kauf dubioser rumänischer Waldfonds überreden zu lassen, so etwas kann nur dem Ex-Vollidioten Simon Peters passieren. Zu spät begreift er, was die minus 211,2 Prozent in seinem Portfolio-Report wirklich bedeuten: „Privatinsolvenz, Gosse und Drogensucht mit nachfolgendem Ausfall der Schneidezähne“, so seine Vision. Der einzige Ausweg: Peters muss zum Überman werden!
Der Kölner Kult-Autor Tommy Jaud liest seinen dritten Simon Peters-Roman in der Hörbuchversion selbst und bringt seine Stärken - witzige Dialoge und temporeiche Komik-Katastrophen - auch akustisch auf den Punkt.
Der österreichische Topautor lebt seinen sprachlichen Spieltrieb aus - und entzückt.
Neuer Roman von Wolf Haas! Und Haas hat, wie man an den "Brenner"-Romanen eindrucksvoll sehen konnte, seinen Spaß an Spielereien mit Sprache. In "Verteidigung der Missionarsstellung" legt er noch eine Schippe drauf. Sowohl sprachlich als auch formell überrascht er von Seite zu Seite aufs Neue. Absätze, die wie ein Aufzug über die Seiten fahren. Quergelesene Informationen im wahrsten Sinne des Wortes zum Querlesen schräg gedruckt. Selbstreferentielle Momente, in denen Autor Haas zur Figur in seinem eigenen Roman wird. Die Kuriostäten sind so amüsant wie zahlreich.
Dass er es dabei auch noch schafft, eine ungewöhnliche und berührende Geschichte um Liebe und Verliebtsein zu erzählen, gehört zu Wolf Haas´ großen Talenten. Die große Brücke zwischen Herzschmerz und globalen Seuchen wie Vogelgrippe und EHEC zu schlagen, dazu gehört neben literarischer Finesse auch eine ordentliche Dosis Humor. Und die fehlt bei Haas nie - was auch "Verteidigung" neben all den stylistischen Gags zu einer vorzüglichen Lektüre macht.
Wenn Nebenfiguren zu Helden werden
Im Star Trek-Universum gibt es eine goldene Regel: Wer mit Captain Kirk oder Mr. Spock auf eine Außenmission geht, sollte besser kein rotes Hemd tragen. Sonst kommt man ums Leben. Was Sci-fi-Fans aus zahlreichen TV Episoden wissen, haben die betroffenen Crewmitglieder des Raumschiffs Enterprise immer wieder ignoriert. Und mit dem Leben bezahlt.
Was wäre, wenn einige dieser jungen Raumfahrer eines Tages hinter dieses Geheimnis kämen? Und sich der Traumjob auf dem Flaggschiff der Sternenflotte als Himmelfahrtskommando entpuppen sollte? Wenn ganz andere Kräfte als Logik und Physik über Schicksale entscheiden würden? Wenn das eigene Leben in Wirklichkeit gar nicht wirklich, sondern Teil eines Drehbuchs wäre? Was dann?
Tja, dann könnten die Redshirts genannten Nebenfiguren der Handlung das Heft selbst in die Hand nehmen und versuchen, die Spielregeln zu ändern.
Amüsant geschrieben, spannend erzählt und stellenweise sogar nachdenklich stimmend ist "Redshirts" eine lesenswerte Satire auf TV-Klischees. John Scalzis Roman ist ein herrlicher Science-fiction-Spaß und eine Muss für alle Enterprise-Fans.
Warum sind wir hier? Und sind wir alleine?
David Brin entwirft in "Existenz" eine Zukunft, die nicht so schön ist, wie wir sie uns gerne vorstellen. Globale Zerstörung, die weltweite Gesellschaft in ein Kastensystem aufgeteilt, riesige Kluften zwischen Arm und Reich. Aber es herrscht mehr oder weniger Stabilität, und jeder Mensch weiß, wo er hingehört. Doch das geregelte Leben der Menschheit wird auf die Probe gestellt, als im Erdorbit ein Artefakt auftaucht, das außerirdischen Ursprungs zu sein scheint. Wie durch ein Intercom nehmen fremde Lebewesen Kontakt auf. Und für niemanden ist das Leben mehr so, wie es einmal war...
Brin ist ein Verfechter ernstzunehmender Science-fiction. Laserschwerter findet er albern, denn ihn beschäftigen die großen philosophischen Fragen. Woher wir kommen und wohin wir gehen, mit nichts geringerem beschäftigt er sich in seinem ambitionierten und facettenreichen Epos. "Existenz" ist in einem Atemzug mit modernen Klassikern wie "Contact" von Carl Sagan zu nennen - ein komplexer Entwurf über die moderne Zivilisation, und zugleich eine aufregende Reise nach innen.
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