Literatur? Na klar! Aber bitte nicht zum Lesen.

Morgen ist Bloomsday. Aber wer kennt den heute noch?

Von Andreas Klein 15. Jun 2012 20:21

Am 16.6. ist Bloomsday. Wer belesen ist, weiß, dass es der Tag ist, an dem der Roman „Ulysses“ von James Joyce spielt. Wer nun so richtig gut belesen ist, der hat es auch gelesen, das Buch namens „Ulysses“, hunderte Seiten dick und in der Erzählung doch nur einen Tag lang. Eben einen Bloomsday lang: Das ist der 16. Juni 1904. Genau diesen Tag im Leben des Anzeigenverkäufers Leopold Bloom beschreibt Joyce in aller möglichen epischen Breite, mit Rückblenden, Vorausblicken, verschwommen, vermischt mit Alltäglichem und sonstigen Gedankenfetzen. „Stream of consciousness“ – Bewusstseinsstrom nennt sich das dann. Er schreibt so, wie sein Protagonist denken würde.

Seitenweise ohne Punkt und Komma
Im letzten Kapitel des Jahrhundertwerks perfektioniert Joyce diese Technik: seitenweise Text ohne Punkt, ohne Komma. Einfach nur Wörter, die aber komischerweise doch einen Sinn ergeben. Die Gedanken von Blooms Gattin Molly im Halbschlaf. Der Leser ist live dabei. Woher ich das weiß? Na ich habe es natürlich gelesen, also das letzte Kapitel. Alles andere war mir zu viel, ich habe es immer wieder probiert. Ehrenwort.

Aber damit befinde ich mich in guter Gesellschaft. Laut FAZ hat nicht einmal der große Reich-Ranicki diesen Schmöker ganz gelesen. Vielleicht hat er das ja mittlerweile nachgeholt. Wenn nicht, dann kann er das morgen tun, so wie auch Sie, geschätzter Leser: SWR2 sendet am 16.6.2012 das Hörspiel zum Buch. Von Samstag 8 Uhr bis Sonntag gegen 6. Ich hatte schon erwähnt, es ist ein langes Buch.   

Zum SWR2 - Ulysses

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