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zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 6. Dezember 2012 | Von Andreas Günther, .

Fatih Akin: Wie bei Asterix und Obelix

Ein Dorf leistet Widerstand gegen Umweltverseuchung - aber wie zeigt man das am besten? Der preisgekrönte Regisseur Fatih Akin plaudert zum Kinostart (06.12.) von "Müll im Garten Eden" aus dem Nähkästchen des Filmemachens.


Nach der Komödie "Soulkitchen" drehte Fatih Akin die Dokumentation "Müll im Garten Eden". Als nächstes ist ein Western dran. - 1 (© © Pandora corazon international Gordon Timpen)
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  • Nach der Komödie "Soulkitchen" drehte Fatih Akin die Dokumentation "Müll im Garten Eden". Als nächstes ist ein Western dran. - 1 (© © Pandora corazon international Gordon Timpen)
  • "Ich bin kein Umweltspezialist", bekennt Fatih Akin Mitte . Doch das Schicksal der Bewohner von Camburnu berührte ihn. - 2 (© © corazón international Bünyamin Seyrekbasan)
  • Fatih Akin will zeigen, dass die Problematik des Mülls kein nationales Problem ist, sondern ein globales. - 3 (© © corazón international Bünyamin Seyrekbasan)
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Nach der Komödie "Soulkitchen" drehte Fatih Akin die Dokumentation "Müll im Garten Eden". Als nächstes ist ein Western dran.

Fatih Akin, für das interkulturelle Drama "Gegen die Wand" (2004) mit dem Goldenen Bären der Berlinale, dem Deutschen und dem Europäischen Filmpreis ausgezeichnet, hat im Schneidersitz Platz genommen. Akin wirkt äußerst entspannt: Nach fünf Jahren ist der Dokumentarfilm "Müll im Garten Eden" endlich fertig geworden. Akin, der, wie er betont, beim Filmemachen an eine höhere Macht glaubt, hat sich dafür wie immer im Abspann bei Gott bedankt. "Müll im Garten Eden" wurde in diesem Jahr in einer Sondervorführung beim Filmfestival von Cannes gezeigt und kommt am 6. Dezember in die deutschen Kinos.

Ohne sich große Hoffnungen auf eine besondere Wirkung zu machen, ist der Film für Akin in erster Linie ein "Zeugnis". Nämlich des Kampfes, der Proteste und der juristischen Auseinandersetzung des türkischen Dorfes Camburnu mit den Behörden, um den Bau einer vorschriftswidrig errichteten und die Umwelt zerstörenden Mülldeponie zunächst zu verhindern und dann ihre Stilllegung zu erreichen. Seit 2007 drehte Akin, der türkischstämmige Eltern hat, aber in Hamburg-Altona geboren wurde und die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, in dem Ort, aus dem sein Großvater stammte und "der Liebe wegen" mit seiner Großmutter geflohen ist. Er führte Gespräche mit den Betroffenen und band auch den Dorffotografen und -chronisten ein, der viel visuelles Material beisteuerte.

"Ästhetisch ist das nicht der herausforderndste Film", räumt Akin ein, aber er steht zu seinem Werk. Mitten drin abzubrechen kam deshalb nie für ihn in Frage. Die Vorführung in Cannes hat ihm gezeigt, dass die Problematik des Mülls - der "Kot der Gesellschaft" - kein türkisches oder sonst wie nationales Problem ist, sondern ein globales. Gleichzeitig sieht er "Müll im Garten Eden" in einer gewissen Nachfolge zu seiner erfolgreichen Komödie "Soul Kitchen" (2009) über die Rettung eines Restaurants. "In beiden Filmen geht es um die Verteidigung der Heimat - damals in einem urbanen, nun in einem dörflichen Kontext", so Akin. Nichts weniger als ein "kleiner Garten Eden" würde in Camburnu zerstört. Doch anders als bei seinem anderen Dokumentarfilm, "Crossing The Bridge", über die vielstimmige Musikvielfalt Istanbuls, war "das hier eine Art Freejazz-Nummer, das will ich nicht noch einmal machen". Was dabei herauskommen würde, war völlig unklar. Und das ist ungewöhnlich für Akin.

Bei aller Sensibilität und Hemdsärmeligkeit legt Fatih Akin als Filmemacher Wert darauf, genau über das Bescheid zu wissen, was er tut und sagt. Entsprechend zielstrebig wirkt zumindest im Nachhinein sein Werdegang. Schon als Schüler verfasste der 1973 Geborene Kurzgeschichten und Drehbücher und filmte mit einer Super-8-Kamera. Mit knapp 20 Jahren dann Aushilfstätigkeiten bei Filmproduktionen und Studium der visuellen Kommunikation an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. Mit "Sensin" (1995) und "Getürkt" (1996) entstanden erste Kurzfilme. Ihre Tugend, gut durchdacht zu sein, prägte auch die weitere Arbeit. Der erste abendfüllende Spielfilm, das multikulturelle Gangsterdrama "Kurz und schmerzlos" (2000), machte Akin auch international bekannt. Es folgten das liebeskomödiantische Roadmovie "Im Juli" (2000) mit Moritz Bleibtreu und Christiane Paul sowie das Familien- und Einwandererporträt "Solino" (2002). Danach startete Akin seine "Liebe, Tod und Teufel"-Trilogie mit den Highlights "Gegen die Wand" mit Sibel Kekilli und dem ebenfalls ausgezeichneten "Auf der anderen Seite"(2007) mit Hannah Schygulla.

(Fortfahren)

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