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Julie Delpy: "Ohne Humor wäre ich verrückt geworden"
Ohne Punkt und Komma: So chaotisch es in Julie Delpys neuem Film zugeht, so aufgekratzt und quirlig ist die Schauspielerin, Filmemacherin und Sängerin auch im persönlichen Gespräch. Das ist schlicht charmant und bezaubernd. In "2 Tage New York" (Kinostart: 5. Juli) seziert sie als Drehbuchautorin, Regisseurin und Hauptdarstellerin die Beziehung eines New Yorker Paares: Marion (Delpy) ist Französin, Mingus (Chris Rock) US-Amerikaner. Ihr Leben wird durch einen Familienbesuch aus Frankreich auf den Kopf gestellt. Das führt unter anderem dazu, dass Marion nicht mehr weiß, ob es richtig war, in einer Kunstaktion für 5.000 Dollar ihre Seele zu verkaufen. Ihr Film sei keine Autobiografie stellt die 42-jährige Französin, die mit ihrem Lebensgefährten, dem Münchner Filmkomponisten Marc Streitenfeld, und ihrem dreijährigen Sohn Leo in Los Angeles lebt, aber klar. Im Interview redet sie sehr offen und ehrlich über den Verlust ihrer Mutter und die Wichtigkeit von Humor in schwierigen Lebenslagen. Vorher denkt sie noch laut über den Sexappeal von Präsidenten nach. Nicolas Sarkozy, beim Interviewtermin noch französisches Staatsoberhaupt, verliert dabei gegen Barack Obama. Von Politikern hält Julie Delpy insgesamt nicht viel, weil sie sich zu oft Schlammschlachten liefern: "Am Ende habe ich die Wahl zwischen Pest und Cholera. Politik ödet mich echt an."
msn: Warum haben Sie denn im Film Barack Obama - zumindest seine lebensgroße Pappfigur - als Ratgeber in allen Lebenslagen engagiert?
Julie Delpy: Das war einfach nur eine lustige Idee. Obama ist ein korrekter Typ, ein Staatsmann. Aber Mingus wendet sich nicht mit großen nationalen Problemen an ihn, sondern erzählt ihm von seinem Liebes- und Sexleben. Obwohl der Präsident nicht unbedingt mein erster Ansprechpartner bei Liebeskummer wäre.
msn: Wie teuer würden Sie denn Ihre Seele wirklich verkaufen?
Delpy: Auf jeden Fall nicht nur für 5.000 Dollar. Ich würde wenigstens 100.000 Dollar verlangen. Heutzutage kann man einfach alles verkaufen: Auch wenn ich es selbst nicht tue, es gibt Leute, die an die Existenz einer Seele glauben. Denen gibst du ein Stück Papier und bekommst eine Menge Geld dafür. Sollen sie doch glauben, dass sie meine Seele besitzen. Im Ernst: Die Seelen-Nummer im Film war nur ein absurder Einfall. Jetzt wird aber so viel hineininterpretiert ... Klar kann man da Parallelen zu Mephisto suchen, aber das war gar nicht beabsichtigt. "2 Tage New York" ist einfach eine Farce mit vielen Albernheiten. Deswegen landet die Seele am Ende ja auch in einen kleinen Beutel im Schritt eines Mannes. Mein Humor ist eben speziell.
msn: Wirkte Chris Rock deswegen so schüchtern im Film? Er ist als Stand-Up Comedian normalerweise eher ein sehr extrovertierter Typ ...
Delpy: Den extrovertierten Part übernahm ja mein Vater - mit all den schmutzigen Witzen. Als ich Chris Rock fragte, ob er im Film mitspielt, sagte ich von Anfang an, dass er etwas spielen muss, was er noch nie getan hatte: einen ordentlichen, geradlinigen Mann.
msn: Sie haben "2 Tage New York" zweisprachig gedreht: Wusste Chris Rock, worüber geredet wurde, wenn Französisch gesprochen wurde?
Delpy: Nein, wusste er nicht.



























