Jetzt schnell, professionell und unkompliziert bei Firmen bewerben.
Rosa von Praunheim: Mit Witz und Humanität
Wenn man ihm heute begegnet, mag man es kaum glauben, dass der Dokumentar- und Spielfilmregisseur Rosa von Praunheim einst die Welt der Bürger nahezu beliebig auf den Kopf stellen konnte. Skandale waren ihm ein geeignetes Mittel dafür. "Tod auf der Bühne" meldeten einst die Zeitungen in Schlagzeilen, und: "Filmemacher bei Kinoveranstaltung von tödlichen Kugeln getroffen". Darunter: "Der Filmemacher Rosa von Praunheim bricht während einer selbstgefälligen Rede von Kugeln getroffen auf der Bühne zusammen. Erst nach mehreren Minuten verlassen die Menschen fluchtartig den Saal." Alles erfunden und von Rosa als Zeitungsente selbst in die Welt gesetzt. Lustig ging es bei ihm, der nun, am 25. November, kaum glaubliche 70 wird, fast immer zu. Spaß bewirkt mehr als tumb-traurige Betroffenheit, so glaubte der bekennende Schwule, eine Integrationsfigur der Homosexuellen.
Mit seinem 1970 gedrehten Spielfilm "Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt" wurde er zu einer Ikone der Schwulenbewegung. Seine späteren Filme, insgesamt 70 an der Zahl, belegten immer wieder die Behauptung des programmatischen Widerspruchs-Titels. Homosexualität und Aids blieben seine Themen, die anfänglich gerne verdrängt wurden. 1973 klinkte sich der BR aus der ARD-Ausstrahlung der Erlebnisse des Berliner Homosexuellen Daniel und dessen allmählicher politischer Emanzipation noch aus.
Noch 1991 sorgte Praunheim für einen Skandal, als er medienwirksame Prominente, die ihre Homosexualität nicht öffentlich machen wollten, outete wie eine Petze. Er wollte damit auf die existierende Aids-Problematik und die Doppelmoral vieler Bürger aufmerksam machen. Die Aktion trieb ihn für geraume Zeit ins Abseits, der verspätete Erfolg scheint ihm dagegen Recht zu geben.
Viel lieber als derlei Aktionen sieht man allerdings Praunheims Filme. Seine berühmte "Bettwurst" von 1971, die befremdliche Annäherung eines Paares in der Spießerwelt der 70er-Jahre, bei der sich Spiel und Dokument kaum unterscheiden lassen, wird erst seit Kürzerem, etwa beim Österreicher Ulrich Seidl, wieder aufgegriffen. Improvisationen, ein bewusst amateurhaft anmutender, witzvoller Stil, sind Praunheims Markenzeichen.




























