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Donnerstag, 9. August 2012 | Von MSN/Simone Jung

Rodney Fox: "An diesem Tag sollte ich noch nicht sterben"

Zum Blu-ray-Start von "Der Weiße Hai" am 16. August spricht der Tierfilmer und Hai-Experte im exklusiven MSN-Interview über seine Arbeit am Kult-Blockbuster - und wie er den Angriff eines Weißen Hais überlebte ...


David Jason und Rodney Fox (© ITV/Rex Features)
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  • David Jason und Rodney Fox (© ITV/Rex Features)
  • Dieser Killerfisch macht in "Der Weiße Hai" (1975) Jagd auf die badenden Touristen am Strand von Amity. Heute erschreckt das Haimodell die Besucher im Freizeitpark der Universal Studios. (© Moviestore Collection/Rex Features)
  • Erinnerungen an die Dreharbeiten: Auf dem Foto rechts posiert Regisseur Steven Spielberg 1975 im Maul von "Jaws". (© Patrick Rideaux/Rex Features)
  • Noch eine Set-Erinnerung: Steven Spielberg posiert in einer Drehpause vor einem Haikadaver. (© Cinetext Bildarchiv)
  • Sie ist das erste Opfer von "Jaws": "Der Weiße Hai" zieht zu Beginn des Films diese Schwimmerin in die Tiefe. (© Universal Pictures)
  • Er ist der Held des Films: Roy Scheider macht sich als Sheriff Brody auf die Jagd nach dem Killerhai. (© WENN)
  • "Der Weiße Hai" war für das Image der noch unerforschten Tiere nicht förderlich: Der Film machte aus dem gefährlichen Meeresraubtier über Nacht eine blutrünstige Tötungsmaschine. (© Cinetext Bildarchiv)
  • Symbol des Grauens: Beim Anblick einer Haifischflosse drängt sich uns sofort die unheimliche Melodie aus "Der Weiße Hai" auf ... (© WENN)
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Hai-Experte Rodney Fox (l.) mit David Jason in der Doku "Killers and Koalas" über die Tierwelt Australiens.

Er gilt als DER Hai-Experte - und ist zugleich der wohl bekannteste Überlebende eines Hai-Angriffs: Rodney Fox wurde am 8. Dezember 1963 von einem Weißen Hai attackiert. Das Tier fügte ihm schlimme Verletzungen an Arm, Brust und Unterleib zu - doch wie durch ein Wunder überlebte der Australier den Angriff. Im Krankenhaus wurde das ganze Ausmaß der Attacke sichtbar: Fox' Bauchraum war aufgerissen, alle Rippen auf der linken Seite gebrochen, Schulterblatt und Lunge waren durchlöchert und die Milz lag frei. Ebenso die Hauptarterie zum Herzen, so dass der damals 23-Jährige durch den großen Blutverlust kurz vor dem Kollaps stand. Mit über 450 Stichen nähten die Ärzte ihn wieder zusammen. (In unserer Galerie zeigen wir auch ein Foto der schrecklichen Bisswunden - zartbesaitete Gemüter sollten NICHT bis Bild 10 klicken). Fox ist das wohl berühmteste Hai-Opfer, das einen so heftigen Angriff überlebt hat. Und durch dieses Erlebnis wurde er zum weltweit größten Hai-Experten: Er erfand den Haikäfig, mit dem er heute noch auf Unterwasserexpeditionen abtaucht und Interessierten die faszinierenden Räuber der Meere näher bringt. Und er lieferte die Unterwasseraufnahmen für den ersten Blockbuster, der diesen Tieren ihren schlechten Ruf eingebracht hat: "Der Weiße Hai" (1975). Am 16. August erscheint der Kultstreifen erstmals auf Blu-ray - digital überarbeitet, vollständig restauriert und mit über vier Stunden Bonusmaterial. Im Interview spricht der heute 71-Jährige über den Angriff, die Dreharbeiten und seinen Faszination für Haie.

MSN: Als erstes müssen wir über die Hai-Attacke sprechen, die Sie überlebt haben. Ich habe die Fotos gesehen und war wirklich geschockt. Natürlich drängt sich mir da sofort die Frage auf: Warum sind Sie wieder runtergangen? Hatten Sie nach dem Angriff denn keine Angst?

Rodney Fox: Ja, das fragt jeder. Ich war damals australischer Champion im Speerfischen und das Tauchen war mein Leben. Ein toller Sport, weil er nicht nur fit hält, man bringt am Ende des Tages auch noch Fische oder Hummer mit nach Hause. Nach dem Angriff war mir bewusst, dass ich eine zweite Attacke nicht überleben würde, das war schon sehr heftig. Ich hatte zwar Angst davor, wieder ins Wasser zu gehen, aber gleichzeitig wollte ich mehr über diese Tiere lernen. Damals wusste man über Haie nicht sehr viel.

MSN: War dieser Zwischenfall der Auslöser für das, was Sie heute machen? Sie waren Speerfischer, hatten noch keine Unterwasserfilme gedreht. Und nach der Attacke widmeten Sie Ihr Leben den Haien ...

Fox: Genau so war es. Es gab noch keine Fachliteratur, deshalb musste ich für mich selbst herausfinden, ob ich den Mut hatte, wieder ins Wasser zu gehen. Ich baute den allerersten Unterwasserkäfig, um mir die Tiere selbst anzusehen. Ich kannte einen Fischer, der eine Stelle wusste, wo man öfter Weiße Haie gesichtet hatte. Wir fuhren hin, ließen den Käfig runter und filmten zum ersten Mal lebende Weiße Haie unter Wasser. Das war 1965. Nach der Veröffentlichung bekamen wir Anfragen aus aller Welt. Leute aus den USA, aus Italien wollten meinen Rat, mein Wissen und meine Käfige, sie wollten auch Weiße Haie filmen. Tatsächlich hatte ich vor meiner Arbeit an dem Blockbuster bereits fünf oder sechs größere Tauchexpeditionen hinter mir und vier oder fünf Filme gedreht. Als dann der Anruf aus Hollywood kam, habe ich mich natürlich gefreut. Da ahnte ich noch nicht, dass daraus der Film "Der Weiße Hai" entstehen würde, der alle meine Freunde panisch aus dem Wasser vertreiben würde.

MSN: Was war das für ein Gefühl als Sie sich erstmals nach der Attacke wieder auf Augenhöhe mit einem Weißen Hai befanden?

Fox: Ich stieg in den Käfig und dann kamen die Haie. Wir hatten Fischabfälle und Pferdefleisch ins Wasser geworfen. Ich stellte fest, dass die Haie sich überhaupt nicht wild aufführten. Sie interessierten sich mehr für den Fisch als für mich oder den Käfig. Sie nahmen kaum Notiz von mir. Da dämmerte mir, dass das auch der Grund für den Angriff während der Meisterschaft im Speerfischen gewesen sein musste: 40 Taucher hatten vier Stunden lang Fische aufgespießt, jeder von uns hatte zehn bis zwanzig Fische gefangen, das Wasser war voller Blut. Und das muss den Hai angezogen haben. Und da ich als einziger weiter draußen war, hat es mich erwischt.

MSN: Was ist damals genau passiert?

Fox: Niemand sah den Hai kommen, nicht einmal ich. Er packte mich aus heiterem Himmel und zog mich in die Tiefe. Ich stach ihm meine Finger in die Augen, damit er losließ. Dann nahm ich ihn in den Schwitzkasten und hielt mich einfach nur fest. Bis ich realisierte, dass ich mich zehn Meter unter der Wasseroberfläche befand und dringend auftauchen musste. Also ließ ich los und schwamm an die Oberfläche. Der Hai verfolgte mich, verschluckte den Schwimmer mit den Fischen, der an meinem Gürtel hing und zog mich wieder in die Tiefe. Ich dachte schon, jetzt ertrinke ich, da geschah das Wunder - die Schnur riss. Inzwischen war ein Boot vom Ufer rübergekommen, um zu sehen, was all das rote Wasser zu bedeuten hatte. In dem Moment tauchte ich genau dort auf, sie zogen mich ins Boot und brachten mich sofort ins Krankenhaus. An diesem Tag sind gleich mehrere Wunder geschehen - an diesem Tag sollte ich noch nicht sterben.

MSN: Sie wurde sozusagen ein zweites Mal geboren.

Fox (lacht): Das kann man wohl sagen. Mein ganzes Leben hatte ich herauszufinden versucht, was meine Aufgabe hier auf Erden sei. Und wenn ich nun all die Jahre zurückblicke, stelle ich fest, dass ich immer über Haie gesprochen habe und die Leute aufkläre, dass sie gar nicht so böse sind und wir einfach lernen müssen, mit ihnen zu leben.

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