Liebe ist nichts für Kinder? "Anne liebt Philipp" beweist das Gegenteil.

Liebe ist nichts für Kinder? "Anne liebt Philipp" beweist das Gegenteil.

Geschichten von der Liebe sind ein Lieblingssujet des Kinos, die Spielarten sind endlos vielfältig. Und Liebe, so viel ist sicher, ist keine Frage des Alters! Weshalb sich nun die norwegische Nachwuchsregisseurin Anne Sewitsky des Themas annimmt und in ihrem Spielfilmdebüt "Anne liebt Philipp" kindliche Liebeswirren inszeniert. Sie tut dies überaus gekonnt - mit Witz, Esprit und viel Empathie. In den skandinavischen Kinos entpuppte sich die Kinderbuch-Verfilmung als Kassenschlager.

Die Liebe ist ein ödes Thema, nix für Kinder - das findet jedenfalls die zehnjährige Anne (Maria Annette Tandero Berglyd). Dabei sind fast alle in ihrer Klasse in jemanden verliebt. Anne ist anders als die anderen, sie macht ihr Ding, um Konventionen schert sie sich nicht. Auch dass Mädchen immer mit Puppen spielen und Prinzessinnen sein wollen, hat sie nie verstanden. Viel lieber klettert sie auf Bäume und spielt Wikinger.

Als Philipp Ruge (Otto Garli) ins Leben der Pippi-haften Anne tritt, wird alles ganz anders - und vor allem kompliziert! Auch weil er ausgerechnet in das Haus einzieht, in dem der Geist von Helga herumspukt: Die Liebe hat der Unseligen einst den Verstand geraubt. Das gibt Anne zu denken; aber auch, wie sie ihre Widersacherin, das bildhübsche Blondchen Ellen (Vilde Fredriksen Verlo), ausstechen soll, die ebenfalls für Philipp schwärmt.

Was hier zunächst nach dem üblichen Kitsch eines vorpubertären Liebesdramas klingt, hat Regisseurin Sewitsky mit Humor und Feingefühl inszeniert. Temporeich ist allein schon der Anfang: Annes Leben, ihre Familie und ihre Freunde werden im optischen Schnelldurchlauf präsentiert. Auch der Konkurrenzkampf zwischen den Mädchen ist mit einer schönen Bildidee aufgelöst: Anne sieht sich und Ellen als Teilnehmerinnen einer TV-Kuppel-Show, die mit den Mitteln einer erwachsenen Frau um den Geliebten feilschen. Die Legende um die unglückliche Helga hingegen wird mit den Mitteln des Horrorfilms illustriert - für die jungen Zuschauer ziemlich gruselig.