Zu "Sinister" lässt es sich vortrefflich gruseln. Allein, die Geschichte ist zu lückenhaft.

Zu "Sinister" lässt es sich vortrefflich gruseln. Allein, die Geschichte ist zu lückenhaft.

Blut, Gedärme und abgetrennte Gliedmaßen sind eklig, keine Frage. Doch der eigentliche Grusel findet eher auf der psychischen Ebene statt. Sein Publikum wohlig erschauern zu lassen, das ist die wahre Kunst des Horrorkinos. Scott Derrickson, der bereits mit "Der Exorzismus der Emily Rose" (2005) bewies, dass er sein Handwerk versteht, schickt in seinem gekonnt choreografierten Schocker "Sinister" nun Ethan Hawke durch seine ganz persönliche Hölle. Rückendeckung holt er sich dabei von Produzent Jason Blum, der der "Paranormal Activity"-Reihe zu wahren Höhenflügen verhalf. Was macht es bei solch klangvollen Namen schon aus, dass es der Story gelegentlich etwas an Logik und Substanz mangelt?

Kriminalautor Ellison Oswalt (Hawke) schreibt für sein Leben gerne über echte Mordfälle und braucht dringend einen weiteren Besteller, um die Haushaltskasse wieder ins Plus zu bringen. Eine geeignete Story wittert er in einem beschaulichen Nest in Pennsylvania, wo gerade eine Familie aufs Grausamste hingerichtet wurde. Auf welche Weise, das erfährt der Zuschauer in einer geduldigen, langen Einstellung direkt in der surreal anmutenden Eröffnungssequenz: Vier Körper baumeln noch zappelnd am dicken Ast eines Baumes, der sich im Garten des Hauses befindet, in das Oswalt bald darauf mit seiner Frau Tracy (Juliet Rylance) und den beiden Kindern Trevor (Michael Hall D'Addario) und Ashley (Clare Foley) einzieht.

Kaum eingerichtet, verbarrikadiert sich der manische Schriftsteller in seinem Büro, um eine seltsame Kiste mit Super-8-Filmen, die auf dem Dachboden herumstand, genauer unter die Lupe zu nehmen. Harmlose Titel wie "Barbecue '79" oder "Pool Party '66" suggerieren, dass es sich um Familienvideos handelt.

Einmal in den Projektor eingelegt, entpuppen sich die Filme jedoch als die markerschütternden Dokumente der Auslöschung ganzer Familien. Kaltschnäuzig und barbarisch geht der Mörder, aus dessen Blickwinkel die grausigen Aufnahmen entstanden, zu Werke. Das Geschehen wird nur in Ansätzen und nie voyeuristisch gezeigt - der Rest spielt sich im Kopf ab. Dadurch verfehlt der Schockeffekt seine Wirkung nicht.