Steve Blame ist der neue Entertainment-Kolumnist bei MSN. Der britische TV-Moderator war von 1987 bis 1994 Redakteur bei MTV Europe und Sprecher der MTV News. 2010 veröffentlichte er seine Erlebnisse im Bereich Sex, Drugs und Musik-Biz. In seiner MSN-Kolumne "Blame on ..." wird der Brite die aktuelle Fernsehlandschaft unter die Lupe nehmen und die User hinter die Kulissen von MTV & Co. blicken lassen. Wer könnte das besser als er!? (Foto: Olivier Favre)
Blame On … Amy Winehouse und die Lüge um den Club 27
Bis zu Amys Tod bestand die Liste aus sechs berühmten Musikern, die alle im Alter von 27 verstorben waren: Robert Johnson, Kurt Cobain, Brian Jones, Jim Morrison, Jimi Hendrix und Janis Joplin. Um diese Theorie über den Club 27 zu untermauern, wurde eine Liste weiterer verstorbener Musiker angeführt. Insgesamt handelt es sich um mehr als 30 Stars - eine Summe, die uns zu der Schlussfolgerung führen soll, dass 27 ein mystisches Alter ist und den Tod von Rockstars durch Missbrauch von Drogen, Alkohol oder Ähnlichem forciert. Eric Segalstad hat in The 27s: The Greatest Myth of Rock & Roll diesen Mythos weiter vorangetrieben, indem er bekräftigte, dass die Todesfälle nicht nur mit dem Rock & Roll Lifestyle zusammenhingen, sondern auch mit der Zahl 27 an sich, da einige Stars trotz eines Lebens ohne Rauschmittel mit 27 starben.
Verschwörungen im Rockgeschäft sorgten schon immer für guten Lesestoff. Paul McCartney wurde angeblich nach einem tödlichen Autounfall durch einen Doppelgänger ersetzt. Beweis hierfür sind Hinweise, die sich beim Rückwärtsspielen des Liedes „I am the Walrus" finden. Sogar Elvis soll seinen Tod vorgetäuscht haben und noch am Leben sein. Und es wird behauptet, dass Jim Morrison noch Jahre nach seinem Tod beim Trampen durch Amerika gesehen wurde! Doch was die Verfechter der Theorie über den Club 27 mit keinem Wort erwähnen, sind die über 300 weiteren Musiker, die in jungen Jahren durch Drogenmissbrauch, Alkoholkonsum, Ertrinken, Flugzeugabstürze, Autounfälle ums Leben kamen oder sogar eines natürlichen Todes starben. Niemand scheint Interesse daran zu haben, den Mythos dadurch zu entkräften, dass viele Musiker (meist noch viel berühmter) früh gestorben sind, und die wohlgemerkt nicht 27 waren. Elvis Presley war 42, als man ihn tot auffand und 14 unterschiedliche Drogen in seinem Blut nachwies. Keith Moon, Schlagzeuger von The Who, war 32, Sid Vicious von den Sex Pistoles war 21, Phil Lynott von Thin Lizzy war 36, und Dennis Wilson von den Beach Boys war 39. Ich finde es überaus seltsam, dass sich niemand mehr an Michael Jackson zu erinnern scheint, der vor noch nicht mal so langer Zeit mit 50 verstarb, wohl durch eine Überdosis Propofol.
Das Traurige ist, dass durch das Interesse an dieser falschen und irreführenden Theorie über den Club 27 das Talent dieser Musiker vollkommen außer Acht gelassen wird. Die Stimme von Amy Winehouse hatte mehr mit den Stimmen der Piaf, Holiday oder Garland gemein, als mit der lautstarken und emotionslosen Mehrheit der weiblichen Popstars, die die Charts in den letzten 30 Jahren dominierten. Amys Texte waren so tiefgründig, dass sie niemals auf eine 27-Jährige hätten schließen lassen. Sie öffnete die Tür für Stars wie Duffy und Adele. Amy Winehouse hat ein Vermächtnis hinterlassen, das respektiert und nicht einfach so abgetan werden sollte, nur weil die oberflächliche Überzeugung besteht, die Zahl 27 sei mystisch und wäre das Jahr, in dem Popstar eben sterben.
Letzte Woche: Blame on ... MTV, was ist schief gelaufen?

Steve Blame ist der neue Entertainment-Kolumnist bei MSN. Der britische TV-Moderator war von 1987 bis 1994 Redakteur bei MTV Europe und Sprecher der MTV News. 2010 veröffentlichte er seine Erlebnisse im Bereich Sex, Drugs und Musik-Biz. In seiner MSN-Kolumne "Blame on ..." wird der Brite die aktuelle Fernsehlandschaft unter die Lupe nehmen und die User hinter die Kulissen von MTV & Co. blicken lassen. Wer könnte das besser als er!? (Foto: Olivier Favre)
- Gelesen
- Kommentiert
- Geteilt









