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Donnerstag, 17. November 2011

Blame On … Glücklichsein

Erst vor kurzem, als ich ziellos im Internet surfte, stieß ich auf eine Studie der OECD, der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, und fand eine Liste von Ländern mit ihrem jeweiligen Glücksindex.


Laut der Studie misst die OECD das Glücklichsein der Bevölkerung anhand folgender Kriterien: die allgemeine Zufriedenheit mit dem Leben, die Häufigkeit positiver Erfahrungen und Gefühle, und das Ausbleiben negativer Erfahrungen und Gefühle. Natürlich ist diese Skala, folglich das Einordnen nach Kategorien relativ. Prozentual gesehen stellte sich zum Beispiel heraus, dass die Hälfte der deutschen Bevölkerung glücklich ist. Der Studie zufolge sind 56% mit ihrem Leben zufrieden, 58% sind der Ansicht, ihr Leben werde sie innerhalb der nächsten fünf Jahre zufrieden stellen.

Nicht schlecht! So erscheint es auf den ersten Blick, bis man sich den Rest der Liste ansieht, die Anzahl der Länder, die weiter oben auf der Liste stehen und um welche Länder es sich dabei handelt. Dänemark und Kanada haben die glücklichste Bevölkerung, und sogar in Großbritannien sind die Menschen glücklicher als in Deutschland. Ja, Deutschland ist nicht einmal unter den Top Ten. Dann ist mir aber aufgefallen, wie die OECD diesen Index misst. Die Menschen wurden darum gebeten, ihr eigenes Leben zu beurteilen und anzugeben, wie sie ihrer Meinung nach von anderen in ihrem alltäglichen Leben behandelt werden.

  • Steve Blame

    Steve Blame ist der neue Entertainment-Kolumnist bei MSN. Der britische TV-Moderator war von 1987 bis 1994 Redakteur bei MTV Europe und Sprecher der MTV News. 2010 veröffentlichte er seine Erlebnisse im Bereich Sex, Drugs und Musik-Biz. In seiner MSN-Kolumne "Blame on ..." wird der Brite die aktuelle Fernsehlandschaft unter die Lupe nehmen und die User hinter die Kulissen von MTV & Co. blicken lassen. Wer könnte das besser als er!? (Foto: Olivier Favre)

Ich bin grundsätzlich ein positiver, ja sehr optimistischer Mensch. Ich versuche, nicht zu lange über schlechte Nachrichten oder negative Ereignisse nachzudenken, und bin in Sachen Zukunft durchwegs positiv eingestellt. Und wenn ich mich in dem Moment, in dem mich jemand nach meinem Wohlbefinden fragt, gut fühle, dann sage ich das auch. In Deutschland ist das ein bisschen anders, da lautet die Antwort auf diese Frage eher "okay", "nicht schlecht", "geht schon". Die Antwort ist nie ganz und gar positiv, mitunter eher negativ.

Vor nicht allzu langer Zeit hat mich ein flüchtiger Bekannter, den ich regelmäßig grüße, mit dem ich aber selten längere Gespräche führe, fast schon beschimpft, als ich ihm entgegnete, es ginge mir blendend und ich sei "sehr glücklich". Mit bissigem Ton fragte er mich: "Was ist denn an Deinem Leben bitte schön so großartig?". Ich entschied kurzerhand klein beizugeben und so zu tun, als ginge es mir doch durch und durch schlecht.

Nach dieser Erfahrung erscheint es mir nur zu offensichtlich, dass die Menschen in anderen Ländern zumindest nach außen hin glücklicher sind. Es ist also kein Wunder, dass Deutschland einen vergleichsweise niedrigeren Glücksindex hat. Nachdem ich seit nunmehr 17 Jahren in Deutschland lebe, habe ich endlich gelernt, nicht zu enthusiastisch zu sein, wenn es um mein Wohlbefinden geht und niemals mit "wunderbar", "ausgezeichnet" oder irgendeinem anderen Superlativ zu antworten. Sonst könnten die Leute ja denken, dass ich sie anlüge oder nicht ganz bei Sinnen sei und mir eine sofortige Therapie gut täte.

Doch leider führt das zu einem Problem, wenn ich nach Großbritannien reise und mich dann jemand fragt, wie es mir geht. Wenn ich dort mit einem mürrischen "geht schon" antworte, werde ich mit verachtenden Blicken gestraft, weil ich augenscheinlich depressiv wirke.
Wenn es also um unser Wohlbefinden geht, geht es vielleicht weniger darum, wie glücklich wir wirklich sind, sondern wie wir es nach außen tragen.

Letzte Woche: Internet-Beleidigungen und andere Erniedrigungen

Steve Blame - Die offizielle Website

  • Steve Blame

    Steve Blame ist der neue Entertainment-Kolumnist bei MSN. Der britische TV-Moderator war von 1987 bis 1994 Redakteur bei MTV Europe und Sprecher der MTV News. 2010 veröffentlichte er seine Erlebnisse im Bereich Sex, Drugs und Musik-Biz. In seiner MSN-Kolumne "Blame on ..." wird der Brite die aktuelle Fernsehlandschaft unter die Lupe nehmen und die User hinter die Kulissen von MTV & Co. blicken lassen. Wer könnte das besser als er!? (Foto: Olivier Favre)

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4Kommentare
17. Nov 2011 00:10
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@ Majestix
Sinngemäß ja. Sie sagte:"Was andere uns zutrauen, ist meist bezeichnender für sie als für uns." Sie hatte ein unglaubliches Gefühl für die Problematik der zwischenmenschlichen Beziehung.
16. Nov 2011 18:19
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@wolf09

ich weiß, dass sie gelebt hat. Aber gelesen habe ich noch nichts von ihr. Warum? Hat sie den Satz schon vor mir gefunden?

16. Nov 2011 12:46
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@ Majestix
Treffer! Scheinst Marie von Ebner-Eschenbach zukennen.


12. Nov 2011 10:54
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auch wenn es mich nur im Kleinen betrifft( mein Promistatus liegt beim kleinen Buchstaben z mit dem Anhang 100z...) sollte man sich vielleicht über eines klar sein:

eine Aussage über einen Menschen
sagt mehr über den Menschen aus,
der die Aussage trifft, als über
den Menschen, den die Aussage
treffen soll

und dabei ist es egal, ob dieser Mensch für eine Zeitung schreibt oder nur einen Kommentar im Internet verfasst.

Oups.... ;-)

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