Steve Blame ist der neue Entertainment-Kolumnist bei MSN. Der britische TV-Moderator war von 1987 bis 1994 Redakteur bei MTV Europe und Sprecher der MTV News. 2010 veröffentlichte er seine Erlebnisse im Bereich Sex, Drugs und Musik-Biz. In seiner MSN-Kolumne "Blame on ..." wird der Brite die aktuelle Fernsehlandschaft unter die Lupe nehmen und die User hinter die Kulissen von MTV & Co. blicken lassen. Wer könnte das besser als er!? (Foto: Olivier Favre)
Blame on ... der Einfluss von MTV
Plattenfirmen produzierten die Videos, und MTV bekam sie umsonst. Das Einzige, was MTV zu zahlen hatte, waren Gema, die Herstellung der VJ Links und die Übertragung der Sendung. MTV war eine Gelddruckmaschine.
Über Nacht konnten nun die Bilder eines Popstars in 3-Minuten-Blöcken abwechselnd gezeigt werden, und das 24 Stunden lang. In den frühen 80er Jahren profitierte erstmals die British New Wave davon, allen voran Bands wie Human League und Adam and the Ants.
Damals produzierten amerikanische Plattenfirmen Musikvideos noch nicht so schnell. Da MTV aber Nachschub brauchte, eröffnete sich für Produzenten die Möglichkeit, sich mit Popvideos einen Namen zu machen - Steve Barron, Godley and Creme, Wayne Isham, Mary Lambert und Julien Temple, um nur Einige zu nennen. Auch berühmte Filmregisseure begannen Videos zu produzieren, wie Brian de Palma, David Mallet, Russell Malcahy und John Landis. Innerhalb kürzester Zeit beeinflusste MTV immer mehr Bereiche, so dass auch Fernsehshows sich dem Einfluss des neuen und innovativen Kanals nicht entziehen konnten. Michael Mann, der Regisseur von Miami Vice, erkannte das Potenzial dieser neuen, auf Bildern beruhenden Ästhetik. Stilisierte Schauspieler, schnelle Szenen und ein paar rasante Verfolgungsjagden - alles unterlegt mit Musik. Eine Folge Miami Vice basierte ausschließlich auf Phil Collins Song In the Air Tonight. Es handelte sich dabei um eine MTV Polizeiserie, so Mann später.
Der weltweiten Expansion von MTV stand nichts mehr im Wege. Musikshows auf etablierten Kanälen gehörten der Vergangenheit an. Niemand brauchte mehr eine wöchentliche Video- oder Chartshow nachdem MTV, zuerst mit Exklusivberichten über die neusten Videos der Superstars, ins Leben gerufen worden war. MTV News, mein Gebiet damals, war der Vorreiter der heutigen Entertainment News. Shows wie Beavis und Butthead brachten einen neuen Stil des Zeichentricks, The Real World war die erste wirkliche Realityshow. Die Moderatoren, besonders der wundervolle Ray Cokes, wurden zum Idol von Millionen. Viele ambitionierte Moderatoren wollten in seine Fußstapfen treten, es ihm gleich tun. Stefan Raab ist der beste Beweis dafür.
In den 90er Jahren dehnte sich der Einfluss von MTV auf das politische Geschehen aus. In den USA trat Clinton in der Sendung auf, sprach auf MTV über seine Liebe für Elvis und stellte eine Verbindung zur amerikanischen Jugend her. Sogar das Filmgeschäft (dem sich viele Regisseure nach der Produktion von Videos widmeten) wurde von MTV beeinflusst. Reality Bites - Voll das Leben hatte als Zielgruppe die MTV Generation. Mitte der 90er war MTV auf seinem Höhepunkt. Auch die Videoproduktion hatte mit innovativen Regisseuren wie Jonze, Gondry und Cunningham neue Höhen erreicht. MTV hatte das Fernsehen verändert, eine neue Ästhetik auf den Markt gebracht und eine ganze Generation beeinflusst. Es schien unantastbar zu sein.
Letzte Woche: Blame on ... was braucht es wirklich, um ein Superstar zu sein?
Steve Blame - Die offizielle Website

Steve Blame ist der neue Entertainment-Kolumnist bei MSN. Der britische TV-Moderator war von 1987 bis 1994 Redakteur bei MTV Europe und Sprecher der MTV News. 2010 veröffentlichte er seine Erlebnisse im Bereich Sex, Drugs und Musik-Biz. In seiner MSN-Kolumne "Blame on ..." wird der Brite die aktuelle Fernsehlandschaft unter die Lupe nehmen und die User hinter die Kulissen von MTV & Co. blicken lassen. Wer könnte das besser als er!? (Foto: Olivier Favre)
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