Steve Blame ist der neue Entertainment-Kolumnist bei MSN. Der britische TV-Moderator war von 1987 bis 1994 Redakteur bei MTV Europe und Sprecher der MTV News. 2010 veröffentlichte er seine Erlebnisse im Bereich Sex, Drugs und Musik-Biz. In seiner MSN-Kolumne "Blame on ..." wird der Brite die aktuelle Fernsehlandschaft unter die Lupe nehmen und die User hinter die Kulissen von MTV & Co. blicken lassen. Wer könnte das besser als er!? (Foto: Olivier Favre)
Blame On … The Voice of Germany
Zuerst muss man ihr aber zugestehen, dass sie zu einem wirklich ungünstigen Zeitpunkt an den Start geht. Castingshows werden in letzter Zeit eher negativ gesehen, was in Anbetracht der Vorkommnisse jüngster Zeit nicht weiter verwundert. "X-Factor" ist erfolgversprechend gestartet, verlor dann aber recht schnell an Eigendynamik und wird wohl eher mit einem Zischen als mit einem Knall zu Ende gehen. Und wenn "DSDS" nächstes Jahr wieder anläuft, werden wir sicherlich am Ende der Staffel einen neuen Nicht-Superstar haben, der nur dank Bohlens und RTLs sagenhafter Marketingstrategien am großen Erfolg in den Charts festhalten kann. Castingshows sind zu Unterhaltungsprogrammen mutiert - und das auf Kosten der Kandidaten. Und genau deshalb habe ich das Gefühl, dass viele talentierte Sänger sich gar nicht mehr in diese Talentschauen trauen: sie haben Angst, vom System zerkaut, zerbissen und wieder ausgespuckt zu werden.
Aber vielleicht ist genau das die Marktlücke, die "The Voice of Germany" zu schließen vermögen wird. Womöglich finden sich in ihr talentierte Sänger, die dank der Bekanntheit der Show in der Tat groß rauskommen werden. Falls diese Show nur zehn Prozent dessen erreicht, was die US-amerikanische Version hervorgebracht hat, dann verdient sie es, Erfolg zu haben. In den USA hat die aus Berühmtheiten bestehende Jury (unter anderem Christina Aguilera, Cee-Lo Green) die Kandidaten gecoacht, mit ihnen Duette gesungen und ihnen bei ihrer Entwicklung geholfen und sie dabei entweder stimmlich, bei ihrer Darbietung oder bei beidem unterstützt. Es war unterhaltend und während ich die Show verfolgte, hatte ich das Gefühl, wirklich an das Talent der Sänger zu glauben.
Bisher habe ich online alle Vorschauclips gesehen. Obwohl nur wenige Sekunden eines jeden Auftritts der Kandidaten gezeigt wurden, sieht es so aus, als hätten die Produzenten wirkliche Talente gefunden und damit ein hohes Niveau erreicht. Und auch die Jurymitglieder sind definitiv erfahren und unterschiedlich. Es wäre toll, wenn sie den Kandidaten, die hoffentlich (und zur Abwechslung) mal der Fokus der Show sind, etwas von ihrer Erfahrung mitgeben könnten. Wenn das alles zutreffen wird, dann könnte "The Voice of Germany" all den anderen Castingshows endlich mal frischen Wind einhauchen.
Meine ganze Hoffnung gilt einer Show, die sich uneingeschränkt auf das Talent und die wahre Persönlichkeit der Sänger konzentriert. Eine Show, die die Sänger unterstützt und an ihrer Entwicklung, egal ob sie gewinnen oder verlieren, interessiert ist, so dass die Kandidaten, wenn sie den Wettbewerb verlassen müssen, das Gefühl haben, aus dieser Erfahrung etwas mitgenommen zu haben. Möge es sich also um eine Show handeln, die nicht wie die Vorgänger von irgendwelchen lästigen Rührstücken oder Marketingschwindel abhängig ist. Um das aber zu erreichen, muss "The Voice of Germany" sich von all den anderen Castingshows komplett abheben. Wir werden ja sehr bald sehen, ob mein Wunsch in Erfüllung geht.
Letzte Woche: Steve Blame über das Glücklichsein

Steve Blame ist der neue Entertainment-Kolumnist bei MSN. Der britische TV-Moderator war von 1987 bis 1994 Redakteur bei MTV Europe und Sprecher der MTV News. 2010 veröffentlichte er seine Erlebnisse im Bereich Sex, Drugs und Musik-Biz. In seiner MSN-Kolumne "Blame on ..." wird der Brite die aktuelle Fernsehlandschaft unter die Lupe nehmen und die User hinter die Kulissen von MTV & Co. blicken lassen. Wer könnte das besser als er!? (Foto: Olivier Favre)
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