Steve Blame ist der neue Entertainment-Kolumnist bei MSN. Der britische TV-Moderator war von 1987 bis 1994 Redakteur bei MTV Europe und Sprecher der MTV News. 2010 veröffentlichte er seine Erlebnisse im Bereich Sex, Drugs und Musik-Biz. In seiner MSN-Kolumne "Blame on ..." wird der Brite die aktuelle Fernsehlandschaft unter die Lupe nehmen und die User hinter die Kulissen von MTV & Co. blicken lassen. Wer könnte das besser als er!? (Foto: Olivier Favre)
Blame on ... was braucht es wirklich, um ein Superstar zu sein?
Das Publikum reagiert immer gleich, mit einer Mischung aus Verwirrung, Neugierde und Verlegenheit. Doch die Erklärung ist ganz einfach. Ein Superstar befindet sich, anders als ein gewöhnlicher Star, auf einer anderen Ebene des Ruhmes. Superstars haben internationale Anerkennung erlangt und sind auf Dauer erfolgreich. Sie haben eine besondere Beziehung zu uns, wobei es sich meist um eine lebenslange Bindung handelt. Diese Bindung ist stärker und inniger, als sie jemals durch irgendwelche Marketingmaschinen geschaffen werden könnte. Und all das dank der guten alten Vaseline.
In den 1960ern schrieb der französische Autor, Dichter und politische Aktivist Jean Genet, dass seine Gefängniswärter, als sie eine einfache Dose Vaseline konfiszierten, sich so darüber empörten, dass sie gewalttätig wurden. Da stand sie also vor Genet, deutlich und klar: Die Macht eines Gegenstands. Dick Hebdige erklärt in seinem Buch Subculture: The Meaning of Style, dass es genau diese "Dinge" sind - Überzeugungen, Kleidungsstile und Symbole - welche die Mehrheit der Bevölkerung vor den Kopf stoßen, aber für die Definition einer Subkultur überaus hilfreich sind. Wenn ein Sänger es also vermag, seine ganz eigene Sicht der Dinge, eine in ihm fest verwurzelte Überzeugung, die ich gerne als die in ihm ruhende "Vaseline" bezeichne, aus sich herauszuholen, dann kann er diese einzigartige Bindung mit uns eingehen, und vom Star zum Superstar werden.
Einige dieser sogenannten QVaselinen" sind ganz offensichtlich: Kurt Cobain und Nihilismus, Madonna, Sex und Meinungsfreiheit, Bono und politischer Aktivismus, Lady Gaga und ihre extravagante Philosophie, dass alle Menschen Freaks sind, aber doch irgendwie zusammengehören. Die Rolling Stones, die ultimative Rockband und ihr ultimatives Klischee von Sex, Drugs and Rock 'n' Roll. Mick war sein ganzes Leben lang ein Schürzenjäger (Sex), Keith rockt noch immer, trotz seines exzessiven Lebensstils (Drogen). Und setzt man die Bestandteile, die Bandmitglieder also, zusammen, erhält man Rock 'n' Roll. Das ist ihre Triebkraft, ihre "Vaseline". Und genau dafür lieben wir sie. Andere "Vaselinen" sind weniger offensichtlich. Michel Gondry, der französische Videoregisseur, gab in einem Interview für die Ausstellung "Art of Pop Video" im Museum für Angewandte Kunst Köln an, dass man als Künstler den innersten Kern ergründen, die innere Stimme finden müsse, um dann entweder im Einklang mit ihr oder gegen sie zu arbeiten. Meiner Ansicht nach war George Michael lange Jahre nicht im Einklang mit seiner "Vaseline". Als Sohn griechischer Eltern, aufgewachsen in einer konservativen griechischen Gemeinschaft in London, wäre es für George fast unmöglich gewesen, sich zu outen. Er schien gegen das Wissen um seine tief verwurzelte Homosexualität anzukämpfen, indem er sich als der ultimative Frauenheld zur Show stellte. Nachdem er in den Staaten wegen anstößigen Verhaltens verhaftet worden war, blieb ihm nichts anderes mehr übrig, als sich zu outen. Anschließend arbeitete er im Einklang mit seiner "Vaseline".
Wenn nächstes Mal also das Wort Superstar bei der Eröffnungsrede einer großen Sache fällt, dann denkt an ihre "Vaseline". Wenn sie nämlich keine "Vaseline" haben, dann werden sie schon in Vergessenheit geraten sein, wenn das nächste 15-Minuten-Wunder die Bühne betritt.
Letzte Woche: Blame on ... DSDS, Bohlen und die Superstars
Steve Blame - Die offizielle Website

Steve Blame ist der neue Entertainment-Kolumnist bei MSN. Der britische TV-Moderator war von 1987 bis 1994 Redakteur bei MTV Europe und Sprecher der MTV News. 2010 veröffentlichte er seine Erlebnisse im Bereich Sex, Drugs und Musik-Biz. In seiner MSN-Kolumne "Blame on ..." wird der Brite die aktuelle Fernsehlandschaft unter die Lupe nehmen und die User hinter die Kulissen von MTV & Co. blicken lassen. Wer könnte das besser als er!? (Foto: Olivier Favre)
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