Queen: Hungarian Rhapsody - Live In Budapest
"This is a night we never forget", bedankt sich Brian May, bevor er auf der Akustikgitarre "Love Of My Life" anstimmt. Der Queen-Gitarrist hatte allen Grund zu dieser Aussage. Ihr Auftritt am 27. Juli 1986 im Budapester Népstadion vor 80.000 Fans war unvergesslich, ja sogar historisch: Queen spielten das erste Stadion-Konzert einer westlichen Rockband hinter dem Eisernen Vorhang. Die ungarischen Behörden entschieden damals, das Konzert mit einer eigenen Crew auf Zelluloid zu bannen. Der digital bestens in HD und mit 5.1-Surround-Sound aufbereitete Film kam 2012 als "Hungarian Rhapsody" erstmals weltweit in Kino und liegt nun auf DVD und Blu-ray vor. Doch ist es nicht unbedingt der Auftritt von Freddie Mercury und Co., der diesen Konzertfilm zu einem sehenswerten Zeitdokument macht.
Die Stadionatmosphäre: mitreißend. Die Songauswahl: makellos. Die Show: ein riesiges, aber nie übertriebenes Spektakel auf der zu diesem Zeitpunkt größten je für eine Rockshow gebauten Bühne. Freddie Mercury: damals der größte Rockstar der Welt. Queen: auf ihrem Höhepunkt - und das nicht nur weil die "Magic"-Tour die letzte der Band zu Lebzeiten ihres Sängers sein sollte.
Nur: All das lässt sich auch von "Live At Wembley" behaupten, einem Mitschnitt, der gut zwei Wochen zuvor, im Juli 1986, in Englands Hauptstadt entstand und erst im vergangenen Jahr wiederveröffentlicht wurde. "Bohemian Rhapsody", "Under Pressure", "A Kind Of Magic", "Radio Gaga", "We Will Rock You" - die Setlists und die Songabfolge sind fast deckungsgleich. Die größte Überraschung: Queen interpretierten in Budapest "Tavaszi Szél Vizet Áraszt", ein ungarisches Volkslied.
Für Lokalkolorit und Unterhaltungswert sorgen auch die Zwischensequenzen des Films: Kamerateams begleiteten die einzelnen Mitglieder bei Streifzügen durch Budapest. So ist Drummer Roger Taylor beim Kartfahren zu sehen, der immer zurückhaltende Bassist John Deacon versucht sich an einer vorsichtigen Kontaktaufnahme mit den Einheimischen. Und Freddie Mercury? Er gibt den volksnahen Rockstar, gibt Autogramme, geht einkaufen, scherzt bei einem Bootsauflug auf der Donau. Er sorgt auch für den größten Gänsehautmoment des Films: Man sieht, wie er alleine auf der Bühne steht und vor leeren Rängen die Mitsingspiele für den Abend trainiert.
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