Tony Bennett: Duets II - The Great Performances

Zugegeben, manchmal wirkt er etwas unbeholfen, der Herr im schnieken Anzug und der akkurat frisierten Silberwelle. Hängt er doch bisweilen mehr an seinem Textblatt, denn an den Lippen seiner Duettpartner. Verständnis ist allerdings angebracht. Denn während seine Gaststars je nur einen Song mit dem Granddaddy des Souls und des Jazz performten, bezog Tony Bennett insgesamt ganze 16 Mal Stellung vor dem Mikrofon. Auf DVD gewährt der 85-Jährige nun einen Hochglanz-Blick hinter die Kulissen seines US-Nummer-Eins-Albums "Duets II" und stilisiert sich - nicht ohne Pathos - als die sympathische Ikone von nebenan.

"Can I call him Tone?" - fragt eine offensichtlich nüchterne Amy Winehouse nicht ohne Respekt. Adrett sitzt sie da in ihrem Karopulli. Nett, nahezu niedlich wirkt die einstige Skandalnudel, die nebst Tony Bennett im Studio den 1930er-Jahre-Klassiker "Body And Soul" interpretiert. Vier Monate später, am 23. Juli 2011, verstarb sie im Alter von 27 Jahren. Es ist ein versöhnlicher letzter Auftritt, bei dem eine sichtlich in die Musik versunkene Winehouse noch einmal zeigen darf, was sie, wie kaum ein anderer Künstler ihres Kalibers konnte: Gänsehaut erzeugen.

Es ist nur einer der Höhepunkte, der Tony Bennetts hochkarätige Duettrunde veredelt. Ein Lieblingsmoment jagt den nächsten: kd lang haucht "Blue Velvet" vor - wie originell - blauem Samtvorhang, Willie Nelson packt zu "On The Sunny Side Of The Street" seine Gitarre aus. Und Lady Gaga? Ist dann doch das Glanzlicht auf Bennetts Scheibe. Mit blauem Haar, transparenter Spitzenrobe und Whiskyschwenker führt sie auf, was sie singt: "The Lady Is A Tramp".

Ob nun Aretha Franklin, Josh Groban oder Norah Jones - inszeniert werden sie alle im großen Stil. Wenn auch, und das ist vielleicht der große Wermutstropfen, nicht live. Da werden zwar Lippen bewegt, der opulente Sound allerdings kommt vom Band. Es bleibt also genügend Raum für große Gesten und überschwängliche Kusshände. Auch Bennett sülzt ordentlich, adelt Countrysängerin Faith Hill gar schwärmerisch zum "weiblichen Frank Sinatra".