Das Prinzip "Popstars" hat Ex-Juror Sido durchschaut: "Es geht bei dieser Sendung nicht darum, eine Band groß zu machen und mit ihr anschließend Geld zu verdienen. Es geht um die Geschichte. Wenn Deine Mutter Krebs hat, kommst Du weiter."

Das Prinzip "Popstars" hat Ex-Juror Sido durchschaut: "Es geht bei dieser Sendung nicht darum, eine Band groß zu machen und mit ihr anschließend Geld zu verdienen. Es geht um die Geschichte. Wenn Deine Mutter Krebs hat, kommst Du weiter."

Das, was man in den letzten Tagen über Sido so lesen konnte, war vielleicht schon recht bezeichnend: Der Mann, der früher gerne im Ordner Gangsterrapper abgeheftet wurde, stand vor Gericht - wegen eines ganz normalen Nachbarschaftsstreits. Es ging darum, dass Sido dort parkte, wo er parken durfte und irgendjemanden das nicht passte (sagt Sido). Und dann kam's zum Showdown in einem Café, in dessen Verlauf unter anderem Kieselsteine flogen (sagt Sido). Er musste ein bisschen was zahlen und ist als Konsequenz erst mal umgezogen. In eine ruhige Wohngegend, gehobene Familienlage, vermutlich mit Garage. Sido wird erwachsen - zumindest ein bisschen.

Die Maske bleibt im Schrank - Sido kehrte Aggro Berlin den Rücken.

Die Maske bleibt im Schrank - Sido kehrte Aggro Berlin den Rücken.

Sido: Die Maske gehört mir gar nicht, die gehört Aggro Berlin. Und bei denen bin ich ja nun nicht mehr, sodass ich die gar nicht mehr aufsetzen könnte - und ich habe da auch keine Lust auf Stress. Außerdem verbinde ich sie einfach mit meiner Zeit bei Aggro Berlin. Da passte sie ganz gut dazu. Aber das bin ich nicht mehr. Ich weiß nicht, ob Du auf meinem neuen Album einen Song findest, der auch auf eine meiner letzten Platten gepasst hätte.

Die meisten Talkshow-Anfragen schlägt Sido aus: "Die Rapper werden oft eingeladen, damit man einen Buhmann da hat. Jemanden, der schuld ist an der Verrohung der Jugend oder so."

Die meisten Talkshow-Anfragen schlägt Sido aus: "Die Rapper werden oft eingeladen, damit man einen Buhmann da hat. Jemanden, der schuld ist an der Verrohung der Jugend oder so."

Sido: Politik war früher vor allem aus einem Grund nie mein Ding: Ich konnte mir diese ganzen Wahlsendungen einfach nicht anschauen. Selbst bei RTL, was ja wirklich kein so kluger Sender ist, hat sich mein Gehirn oft von selbst ausgeschaltet. Das fährt nach fünf so unverständlichen Wörtern einfach von selbst runter. Als ich mit den Leuten persönlich redete, konnte ich die unterbrechen, wenn die mit irgendwelchen Fremdwörtern daherkamen und sagen: Halt, stop, erklärt mir das.

Wie er zu seinem Gangster-Image kam, ist Sido schleierhaft: "Ich hab's ja nie drauf angelegt, ein Gangster zu sein. Das hat die Presse damals aus mir gemacht."

Wie er zu seinem Gangster-Image kam, ist Sido schleierhaft: "Ich hab's ja nie drauf angelegt, ein Gangster zu sein. Das hat die Presse damals aus mir gemacht."

Sido: Ich war mal bei Sandra Maischberger. Angefragt wurde ich viel öfter, aber ich geh' nicht zu jeder Scheiße hin. Wenn es um Frauenrechte geht, weiß ich, da sitzt jemand wie Alice Schwarzer und wird mich so was von zerreißen - da ist ja schon vorher klar, wie das ausgeht. Die Rapper werden oft eingeladen, damit man einen Buhmann da hat. Jemanden, der schuld ist an der Verrohung der Jugend oder so.

Politik war Sido lange ein Rätsel: "Ich konnte mir diese ganzen Wahlsendungen einfach nicht anschauen. Selbst bei RTL, was ja wirklich kein so kluger Sender ist, hat sich mein Gehirn oft von selbst ausgeschaltet. Das fährt nach fünf so unverständlichen Wörtern einfach von selbst runter."

Politik war Sido lange ein Rätsel: "Ich konnte mir diese ganzen Wahlsendungen einfach nicht anschauen. Selbst bei RTL, was ja wirklich kein so kluger Sender ist, hat sich mein Gehirn oft von selbst ausgeschaltet. Das fährt nach fünf so unverständlichen Wörtern einfach von selbst runter."

Sido: Ich mache mir da keine Gedanken drüber. Ich überlege nicht, wie etwas, das ich tue, wirken könnte. Wenn ich Bock auf 'ne Politik-Sendung habe, mache ich 'ne Politik-Sendung. Wenn ich Bock auf die "Stock Car Crash Challenge" habe, mache ich eben das. Wenn ich Bock hab', in 'ner beschissenen Bratpfanne eine Bobbahn herunterzufahren, mache ich das. Wenn ich Bock habe, in Los Angeles 'ne Platte aufzunehmen, nehme ich in Los Angeles 'ne Platte auf.

Sido: Na, weil ich jetzt bei Universal bin! Vorher war ich ja bei einer kleinen Plattenfirma, da war es schon 'ne Riesensache, wenn ich nach Ibiza geflogen bin. Jetzt bin ich bei dem Label, das Udo Lindenberg jahrelang sein Hotelzimmer bezahlt hat. Die haben das sogar noch bezahlt, als er längst nicht mehr bei ihnen war, weil die Buchhaltung das verpennt hatte. Da dachte ich mir eben: Ich probier mal, was passiert, wenn ich vorschlage, in Amerika aufzunehmen. Ich hab' gesagt: Ich will ein gutes Studio, gediegen wohnen - und ein paar Wochen später war ich da.

Sido: Ja, aber die Amerikaner mag ich nicht. Sind Quatscher. Dieses "Lebe Deinen Traum"-Ding, dieses "Auch Du kannst es schaffen", das ist einfach riesengroßer Unsinn. Das begreifen die jetzt aber gerade. Die Wirtschaftskrise holt die alle in die Realität zurück. Da gibt's jetzt Aldi. Vor ein paar Jahren wär' da noch keiner reingegangen, weil es kein 30 Meter langes Limonandenregal gibt. Das ist so pervers, ich brauche das nicht. Am Ende greift man doch eh entweder zu Fanta oder zum billigsten.

Sido: Dass man damit kein Millionär wird, weiß doch jeder, der zum Casting rennt. Ich glaube nicht, dass da viele hoffen, dass sie Stars werden. Das läuft jetzt in der achten Staffel. Jeder, der zum Casting rennt, hat doch die letzten Staffeln gesehen. Es geht bei dieser Sendung nicht darum, eine Band groß zu machen und mit ihr anschließend Geld zu verdienen. Es geht um die Geschichte. Wenn Deine Mutter Krebs hat, kommst Du weiter. Wenn Du nächste Woche stirbst, kommst Du weiter.

Sido: Nein. Ich dachte natürlich, dass das etwas abgebrüht sein würde und mal der ein oder andere weiterkommt, den man eigentlich nicht mitnehmen will. Das war mir klar. Aber ich dachte mir, am Ende des Tages finden wir 'ne krasse Band, aus der wirklich was wird. Ich dachte, wir kümmern uns. Ich habe das wirklich für die Musik gemacht, ich wurde nicht mal krass dafür bezahlt ...

Sido: Für sie war das, was ich ihr alles erzählte, vorher auch nur reine Spekulation. Sie war ja auf der anderen Seite. Aber auch hier gilt: Ich habe das gemacht, weil ich Bock drauf hätte, sie hätte mich also sicher nicht dran hindern können. Das war keine Promo-Aktion oder so, sondern ich wollte das einfach machen!

Sido: Ja. Ich war kurz davor zu gehen. Da hatte ein schlauer Journalist kurz vorm Finale aus mir herausbekommen, dass ich die Sendung scheiße finde. Da gab es ein Gequatsche vom Feinsten, Detlef fühlte sich persönlich angegriffen, und so weiter.

Sido: Ich hab's ja nie drauf angelegt, ein Gangster zu sein. Das hat die Presse damals aus mir gemacht. Und natürlich hat sich die Musik, die ich mache, verändert. Aber ich habe mich in meiner Attitüde nicht verändert. Ich habe mich damals für meine Musik nicht verstellt und tue es heute nicht. Du darfst nicht vergessen: Als ich mein erstes Album aufnahm, habe ich auf der Straße gelebt. Danach hatten wir eine Wohnung für 160 Mark im dritten Hinterhof, die von Mäusen befallen war. Ich hatte keine Krankenversicherung, mein Ausweis war abgelaufen - ich hätte am nächsten Tag tot sein können, es hätte niemanden interessiert. So war mein Leben, und so soll sich das gefälligst auch anhören.

Sido: Ich glaubte damals tatsächlich nicht daran. Aber da musst Du eben berücksichtigen, wie mein Leben damals war. Ich lebte auf der Straße und nahm jede Menge Drogen. Als ich damals Interviews gab, war ich sowas von weggeschossen, XTC nahm ich exzessiv, andere Drogen auch. Und alles, was vorher mit Liebe zu tun hatte, funktionierte eben nicht. Deswegen dachte ich mir irgendwann: Jetzt wird nur noch gefickt.

Sido: Nein. Als wir das Video drehten, war ich das erste Mal seit zehn Jahren wieder in einer U-Bahn. Es geht einfach nicht. Als "Mein Block" in den Charts war, passierten über Nacht Dinge, die Du Dir nicht vorstellen kannst. Damals haben ganze Schulbusse vorm Block gehalten. Morgens, wenn ich runterkam, waren da die ersten Kids vorm Haus. Da standen manchmal 150 Leute herum. Das ganze Treppenhaus war vollgeschrieben. Stell Dir mal vor, wie das in der U-Bahn wäre. Ich werde nicht gerne angegafft wie so ein Affe. Das ist mir unangenehm.

Sido: Es ist sehr schwierig. Man hat am Anfang oft gehört, dass Leute sagten, ich würde sie hängen lassen und so. Aber ich hatte ja keine Verpflichtung, irgendjemanden zu retten oder so. Und das ist dann so ein Teufelskreis, weil viele dann denken, Du wärst arrogant oder so, obwohl man sich nur zu schützen versucht. Meinen engsten Freunden ging es neben mir immer gut. Und denen geht es heute noch gut neben mir. Wenn's denen an etwas fehlt, helfe ich ihnen. Viele arbeiten sogar für mich, darauf achte ich. Wenn's Geld an mir zu verdienen gibt, lasse ich das Freunde machen.

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Sido bei myspace

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