Neues Slayer-Album hält alle Versprechen

Kerry King, Gitarrist der amerikanischen Trash-Metal-Band Slayer

Irgendwo zwischen «South Of Heaven» und «Seasons In The Abyss» soll das neue Material liegen. Schlagzeuger Dave Lombardo sieht es sogar in einer Linie mit «Reign In Blood» - die Platte, auf die Slayer ihren Ruhm in den 80er Jahren gründete.

«Reign In Blood» - dieser Albumtitel lässt Metal-Fans ehrfürchtig mit den Augenbrauen wackeln. Die Platte ist der Prototyp des schnellen, bösen, kompromisslosen und mit kontroversen Themen aufgeladenen Thrash-Metal-Albums. Mit ihr gelang es Slayer, eine selten vereinte Fanschar aus Metallern, Punkrock-Fans und Indie- Rockern hinter sich zu versammeln. Und so wirkt der Einfluss der kalifornischen Band weit über das Metal-Genre hinaus. Heute sind Slayer die wohl einflussreichste Metal-Band neben Metallica - und mit mehreren Goldenen Schallplatten und Grammys eine der kommerziell erfolgreichsten.

«South Of Heaven» aus dem Jahr 1988 - das steht für gezügelte Geschwindigkeit, langsamere, melodische Songs. Weil es nach «Reign In Blood» nicht noch schneller ging, schalteten Slayer einen Gang runter. Und sie verloren damit nicht an Glaubwürdigkeit - sie gewannen sogar hinzu. «Seasons In The Abyss» von 1990 steht für die Zusammenführung von beidem auf einer Platte, für Chartplatzierungen und den großen kommerziellen Erfolg. Der Eröffnungstitel «War Ensemble» findet sich auf der Metallica-Edition des Konsolenspiels «Guitar Hero».

Ist «World Painted Blood» also der nächste große Wurf? Es ist in jedem Fall das geradlinigste, schnellste und schnörkelloseste Slayer- Album seit langem. Die Songs gemahnen an die Zeit, bevor die kalifornische Band in den 90ern Ausflüge in den Punk und Hardcore machte - etwa mit dem Cover-Album «Undisputed Attitude». Auf der neuen Platte prügeln sich Slayer in einer Geschwindigkeit und Eingängigkeit durch die Songs, die Fans lange vermisst haben. Schon das Cover ist minimalistisch - ein weißer Bandschriftzug auf rotem Grund. Vier von elf Songs sind unter drei Minuten. Glasklar produziert sind sie alle.

Der zweite Track («Unit 731») ist so schnell und spitzenlos, dass erst die Breaks im dritten Song («Snuff») daran erinnern, dass er vorbei ist. «Beauty Through Order» ist dann einer der Songs, in dem langsamere Momente und melodiöse Parts an «South Of Heaven» erinnern. In diesem Stil wechseln die Tempi - die Energie bleibt. Seinen Höhepunkt hat das Album mit dem vorab im Internet veröffentlichten «Hate Worldwide». Hass, Chaos, Zerstörung und Wahnsinn sind seit jeher die Themen von Slayer - Kontroversen haben die Musiker nie gescheut.

Sie stehen zwar auch für die Grauzone von Punk und Thrash-Metal - am besten waren sie aber immer dann, wenn sie den Rücken gerademachten. Das ist der neuen Platte anzumerken: Gitarrist Kerry King sagt: «Sie klingt wie das Zeug, das wir in den Achtzigern geschrieben haben.» Er nimmt sogar den Begriff «Retro» in den Mund.

Daran muss sich das Album im Umkehrschluss ebenso messen lassen. «Reign In Blood» und «South Of Heaven», «Seasons In The Abyss»: Für diese Meilensteine zog mancher Teenager in den Dauerkrieg mit seinen Eltern, nahm tägliche Mühsal in Kauf - und Diskussionen über lange Haare, Poster mit Friedhöfen und Kreuzen darauf und Lederjacken. Es lohnt sich immer, die Erinnerung an diese Tage wach zu halten. «World Painted Blood» kann dabei helfen.