
Liebe kennt keine Grenzen (Foto: Sat1 / Erika Hauri)
Damals, als ein biederer Gesangsverein für das schöne Lied «Auf und nieder» verpflichtet wurde und sein Singen dann einer einschlägigen Szene in einem dieser Lederhosen-Pornos unterlegt wurde?
Doch dann allgemeines Aufatmen: Hier im oberbayerischen Bad Bayersoien entstand ein durchaus seriöser Film, eine Komödie für Sat.1, die am Dienstag um 20.15 Uhr ausgestrahlt wird. Ganz unheikel ist die Thematik allerdings auch hier nicht. Deutlicher als der blumige Haupttitel «All you need is love» drückt es der Untertitel aus: «Meine Schwiegertochter ist ein Mann».
Die Mutter, die das entsetzt feststellt, heißt Katharina, ist geschieden, lebt fest verwurzelt in einer dörflichen Gemeinschaft, singt im Kirchenchor und freut sich nur auf eines, auf die Hochzeit ihres Buben Hans. Der scheint lange zu zögern, aber dann kommt die freudige Nachricht: Er will heiraten, daheim auf dem Dorf mit allem festlichen Drum und Dran. Katharina schwimmt in Seligkeit. Bis das junge Paar vor ihr steht: Sohn Hans mit seinem Liebsten Nicki.
Katharina-Darstellerin Saskia Vester hätte das privat nicht weiter furchterregend gefunden: «Na schön, dann hat man eben zwei Söhne. Ist doch auch ganz nett.» Ihre Katharina gibt sich nicht ganz so tolerant. Und noch viel intoleranter zeigt sich die liebe Umwelt. Anders übrigens als die Menschen am Drehort. Produzent Frank Kaminski: «Die waren, auch als sie das Thema spitz gekriegt haben, unglaublich nett und hilfsbereit.» Was der Hans-Darsteller Andreas Helgi Schmid bestätigt: «Ich glaube, die haben sich einfach gefreut, dass bei ihnen ein Film gedreht wurde.»
Der 23-Jährige mit dem isländischen Zweitvornamen, Sohn eines Deutschen und einer Isländerin, stand das erste Mal in einer Hauptrolle vor der Kamera. Eine kleine Scheu, gleich beim Debüt einen Schwulen zu spielen, musste er schon überwinden, speziell in der Szene, wo ihn die Frau Mama ziemlich hüllenlos mit seinem Freund im Bett überrascht. «Aber dann», erinnert sich seine Film-Mutter Saskia Vester, «hatten wir gerade an dieser Szene einen solchen Spaß, dass wir vor Lachen kaum zum Drehen gekommen sind.»
Dass es auch Homosexuelle in die bürgerliche Institution der Ehe samt Ring am Finger und «Bis dass der Tod uns scheidet»-Gelöbnis zieht, kann der junge Schauspieler durchaus nachvollziehen und findet überhaupt Hochzeiten, ob homo oder hetero, mit allen ihren Feierlichkeiten «richtig schön».
Eine solche Hochzeit, man ahnt es nach diversen Schwierigkeiten, die sich dem jungen Paar in den Weg stellen, steht denn auch am Schluss des Films, und der Kirchenchor singt hellstimmig «All you need is love» dazu. Damit man endlich kapiert, was eigentlich der Titel soll.






















