Waren dabei hemmungslose Egozentriker, «und das», meint Wolfgang Bergmann, Redakteur des ZDF- Theaterkanals, «macht die Dichter der Sturm-und-Drang-Zeit vielen heutigen jungen Menschen sehr ähnlich.» Faszinierend sei an dieser Epoche, die auf die Zeit von 1767 bis 1785 datiert wird, «dass sie so was wie die vorweggenommene Große Revolution war. Nur fand sie in Deutschland lediglich in den Köpfen statt, während sie bald darauf in Frankreich die Köpfe rollen ließ.»
Nun widmet 3sat im Zusammenarbeit mit dem Theaterkanals dem «Sturm und Drang» eine volle Woche. Mit der szenischen Dokumentation «Genie! Freiheit! Leidenschaft!» von Dag Freyer fängt sie an diesem Samstag (20.15 Uhr) an. In Spielszenen und Dokumenten entsteht dort das Bild einer literarischen Epoche, deren Utopien von grenzenloser Freiheit immer auch in Gewalt umzuschlagen drohten. In Friedrich Schillers «Räubern» fand das seinen beklemmendsten, auch noch auf heutigen Bühnen immer wieder mitreißenden Ausdruck. Nicht zufällig waren «Die Räuber» in den späten sechziger Jahren mit ihren Studentenunruhen der meistgespielte deutsche Klassiker.
Um «Schiller und seine Brüder» geht es denn auch am 15. November im letzten Film der Schwerpunkt-Woche mit ihren insgesamt zehn Sendungen, im Theaterkanal am 1. Dezember zu sehen. Populäre Glanzpunkte dürften dabei Wiederholungen der hochkarätig besetzten, bewusst modern und publikumswirksam inszenierten Theaterfilme «Werther» nach dem Goethe-Roman von Uwe Janson (11. November, Theaterkanal 5. Dezember) und «Kabale und Liebe» nach dem Schillerschen Trauerspiel von Leander Haußmann (12. November, Theaterkanal 7. Dezember) sein.
Ein Höhepunkt ist die Erstausstrahlung des Films «Lenz» nach Georg Büchners Novelle über den Sturm und Drang-Dichter J. M. R. Lenz (10. November, Theaterkanal 5. Dezember). Regie führt Andreas Morell, die Hauptrollen spielen Barnaby Metschurat und Karoline Teska. Eine Erstausstrahlung gehört auch zum Eröffnungsabend: «Goethe Faust I» am 7. November um 21.15 Uhr, eine Lesung mit Michael Quast und Philipp Mosetter vom 3sat Festival. Der Theaterkanal wiederholt diese ironische Sichtung der Goethe-Vorlage am 3. Dezember. Ein Stück fehlt, hier wie schon lange auf den Spielplänen der deutschen Theater: das längst vergessene Schauspiel «Wirrwarr» des ebenso vergessenen Dichters Friedrich Maximilian Klinger, obwohl es unter seinem späteren Titel «Sturm und Drang» der gesamten Richtung ihren Namen gab.






















