Auch Carmen Rohrbach hatten ihn: den Traum von Freiheit.

Auch Carmen Rohrbach hatten ihn: den Traum von Freiheit.

"Darauf sind wir schon ein bisschen stolz", sagt Dr. Andreas Weinek. Aber was heißt hier "ein bisschen" ... Dem Geschäftsführer von HISTORY Deutschland ist die Verkündung der frohen Botschaft sogar ein gepflegtes Info-Dinner mit einer Handvoll Pressevertretern wert: Sein Sender zeigt am Samstag, 7. November, 21.30 Uhr, eine in Eigenproduktion realisierte Dokumentation über Fluchtversuche aus der ehemaligen DDR. "Der Traum von Freiheit - Flucht aus der DDR" ist nicht nur ein sehr gelungener Beitrag zum allgemeinen Jubiläums-Kanon "20 Jahre Mauerfall" - der mit internationalen HISTORY-Geldern finanzierte Film ist auch ein wichtiger Schritt, den deutschen HISTORY-Ableger noch regionaler auszuprägen. Er wird, und das ist für deutsche Geschichtsstoffe jenseits der Nazi-Ära wirklich eine Seltenheit, via HISTORY rund um den Globus ausgestrahlt.

"Über Nacht wird ein Land geteilt. Die kommunistische Regierung Ostdeutschlands riegelt sich gegen den Westen ab. Keiner soll mehr aus dem Osten entkommen", heißt es zu Beginn im typischen Doku-Pathos. Nichts geht mehr. Und doch versuchen es viele. Von ihnen erzählt der Dokumentarfilm, der bei HISTORY eine Themenwoche zum 20. Jahrestag des Mauerfalls einläutet. Bis zum Freitag, 13. November, widmet sich der Sender in über 14 Stunden Programm der deutsch-deutschen Geschichte.

Dr. Burkhart Veigel erzählt von seiner Zeit als Fluchthelfer, in der er die Mauer nicht nur hunderte Male mit Flüchtlingen überlaufen, sondern sie später auch untergraben hatte, nachdem die Grenzkontrollen immer schärfer wurden und nur noch die unterirdische Flucht möglich war

Dr. Burkhart Veigel erzählt von seiner Zeit als Fluchthelfer, in der er die Mauer nicht nur hunderte Male mit Flüchtlingen überlaufen, sondern sie später auch untergraben hatte, nachdem die Grenzkontrollen immer schärfer wurden und nur noch die unterirdische Flucht möglich war

Die Machart des in HD produzierten Streifens ist nicht außergewöhnlich - große Geschichte wird anhand bewegender, manchmal erschütternder Einzelschicksale erzählt. Heißt: Zeitzeugeninterviews treffen auf Archivbilder und neue Aufnahmen von historischen Schauplätzen.

Außergewöhnlich ist indes die gelungene Auswahl der Protagonisten. Einer von ihnen, Dr. Burkhart Veigel aus Berlin, ist nun auch zum Pressetermin nach München gekommen, um aus erster Hand zu berichten. In jungen Jahren, als Medizinstudent, war er zehn Jahre als Fluchthelfer aktiv, er half zusammen mit Freunden, etwa 650 Menschen aus der DDR in den Westen zu holen. "Ich habe halt festgestellt, ich kann das" - erstaunlich lapidar antwortet der ehemalige Zehnkämpfer heute auf die Frage, was ihn damals, in den 60er-Jahren, angetrieben hat. Launig plaudert er über teils spektakuläre Fluchtaktionen und über den Umgang mit der eigenen Angst: "Man geht auf der linken Straßenseite, damit man sehen kann, wer in den entgegenkommenden Autos sitzt und damit man nicht von hinten überfahren werden kann."

Die Gedenkstätte Hohenschönhausen gibt einen Eindruck von den Haftumständen, denen auch "Republikflüchtige" ausgesetzt waren.

Die Gedenkstätte Hohenschönhausen gibt einen Eindruck von den Haftumständen, denen auch "Republikflüchtige" ausgesetzt waren.

Der Film greift zum Teil unglaubliche Fluchtgeschichten auf. Wie die von Carmen Rohrbach. Sie versuchte, schwimmend der DDR zu entkommen, wurde jedoch in der Ostsee aufgegriffen und zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Und doch würde sie es heute wieder tun - zu groß ist der Wunsch nach Freiheit, wie die heutige Biologin, Filmemacherin und Autorin vor der Kamera und in ihrem Buch "Solange ich atme" eindrucksvoll schildert.

Auch Christine und Bodo Müller schrieben ein Buch ("Über die Ostsee in die Freiheit") über ihre Ausreise - auch sie wurden im Wasser aufgegriffen. Spektakuläre Flucht-Mobile, Marke Eigenbau, bekannt wurde neben diversen Fluggeräten auch der "Aqua Scooter" der Müllers, kommen ebenso zur Sprache wie unzähligen Fluchtversuche "unter Tage". Dietmar Arnold vom Berliner Verein "Unterwelten" zeigt die unterirdischen Fluchtwege in U-Bahn-Schächten und der Kanalisation.

Nicht wenige Fluchtversuche wurden durch die Kanalisation Berlins unternommen.

Nicht wenige Fluchtversuche wurden durch die Kanalisation Berlins unternommen.

Helfer und Republikflüchtige - alle erzählen eine andere Geschichte, und doch geht es in dem packenden 30-Minüter immer nur um ein- und dasselbe: "Am Ende siegte der Drang nach Freiheit", so HISTORY-Regisseur und Autor Nicolas von Hänisch.

Dr. Andreas Weinek betont indes, dass sein digitaler Pay-TV-Kanal gerne weiter und noch vermehrt derartige Eigenproduktionen ins Programm bringen würde. Er unterstreicht aber auch, wie schwierig es ist, mit deutschen Stoffen bei den Amerikanern (HISTORY wird als Joint Venture von NBC Universal Global Networks und AETN international betrieben) zu landen. Gut möglich, dass ein Film wie "Der Traum von Freiheit" da eine Art Türöffner sein könnte. Die Geldgeber in New York seien von dem Projekt jedenfalls auf Anhieb Feuer und Flamme gewesen. Weinek: "Bereits seit dem Start von HISTORY Deutschland vor fünf Jahren gelingt es uns, durch die erfolgreiche Kooperation mit dem ZDF unser Programm mit den Erwartungen des TV-Publikums im deutschsprachigen Raum in besonderem Maße abzustimmen. Mit unserer neuen Eigenproduktion erreichen wir bei dieser Lokalisierung eine neue Stufe."

Wolfgang Warnke war zu DDR-Zeiten inhaftiert wegen Fluchthilfe.

Wolfgang Warnke war zu DDR-Zeiten inhaftiert wegen Fluchthilfe.

Ebenfalls in deutscher Erstausstrahlung zeigt HISTORY am Montag, 9. November, 20.00 Uhr, die zweiteilige Doku "Herbst 1989: Wie die Mauer wirklich fiel" - ein Resultat der Produktions-Koop des Senders mit dem ZDF.

Dietmar Arnold, Berliner Unterwelten e.V., führt die Filmemacher unter Tage.

Dietmar Arnold, Berliner Unterwelten e.V., führt die Filmemacher unter Tage.

Beklemmend: die Gedenkstätte Hohenschönhausen.

Beklemmend: die Gedenkstätte Hohenschönhausen.

Auch in der Gedenkstätte Hohenschönhausen wurde gedreht.

Auch in der Gedenkstätte Hohenschönhausen wurde gedreht.

"Erreichen bei Lokalisierung eine neue Stufe": Dr. Andreas Weinek, Managing Director The History Channel Germany.

"Erreichen bei Lokalisierung eine neue Stufe": Dr. Andreas Weinek, Managing Director The History Channel Germany.

Weitere Infos unter:

Homepage von Burkhart Veigel über die Fluchthilfe

HISTORY-Homepage zum Film

Homepage Carmen Rohrbach