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Mittwoch, 14. März 2012

Blame On … Ein Leben ohne Handy

Was wäre unser Leben ohne die neuesten Technologien? Im Grunde genommen ein unvorstellbares Szenario. So kam es also, dass ich letzte Woche, nachdem ich mein Handy verloren hatte, beinahe traumatisiert war. Wie sollte es weitergehen? Würde meine Welt zusammenbrechen? Wie sollte ich überleben? Und so verlief meine Woche:


Tag 1: Übernächtigt wache ich auf. Am Abend zuvor war ich auf einem Punk-Konzert in einer kleinen Kölner Disco gewesen - bei dieser Gelegenheit habe ich wohl mein Handy verloren. Rufe bei der Taxigesellschaft an, die mich nach Hause gebracht hat und verständige den Club. Die Angestellten versichern mir, sie werden sich auf die Suche nach meinem Handy machen. Rufe auf meinem eigenen Handy an - vergebens, es ist ausgeschaltet. Entscheide mich dazu, ein paar Stunden zu warten, da ich es noch nicht akzeptieren will, dass ich mein Handy tatsächlich verloren habe. Später an diesem Nachmittag finde ich heraus, dass mein Handy unauffindbar ist und ich es wirklich verloren habe. Ich bestelle ein neues Handy und teile meinem Anbieter den Verlust der SIM-Karte mit. Man sagt mir, es werde eine Woche dauern, bis ich die neue Karte und das Handy erhalten werde. „Eine Woche! Wie soll ich das bloß aushalten?" Beschließe zu Hause zu bleiben und nicht ins Büro zu gehen. Lese ein Buch, aber kann mich nicht konzentrieren. Ich fühle mich wie in einer Blase. Deprimiert.

  • Steve Blame

    Steve Blame ist der neue Entertainment-Kolumnist bei MSN. Der britische TV-Moderator war von 1987 bis 1994 Redakteur bei MTV Europe und Sprecher der MTV News. 2010 veröffentlichte er seine Erlebnisse im Bereich Sex, Drugs und Musik-Biz. In seiner MSN-Kolumne "Blame on ..." wird der Brite die aktuelle Fernsehlandschaft unter die Lupe nehmen und die User hinter die Kulissen von MTV & Co. blicken lassen. Wer könnte das besser als er!? (Foto: Olivier Favre)

Tag 2: Poste auf Facebook, dass ich mein Handy verloren habe. Treffe die Entscheidung, von zu Hause aus zu arbeiten. Habe aus Angst, dass mich vielleicht jemand anrufen könnte und ich arbeitstechnisch oder in meinem sozialen Umfeld etwas verpasse, ein paar Panikattacken. Und was ist mit all den Kontakten, die ich nicht gespeichert habe? Spaziergang im Park, um mich zu beruhigen. Den ganzen Tag über sehe ich kein mir bekanntes Gesicht. Lese noch ein Buch. Gehe früh ins Bett.

Tag 3: Fühle mich so, als wäre ich auf einer verlassenen Insel - abgesehen davon, dass die Sonne und der Strand fehlen. Schreibe Leuten, deren Nummer ich brauchen werde, sobald mein neues Handy eintrifft. Lösche die E-Mails aber sofort wieder, nachdem ich mir darüber klar werde, dass diejenigen, die meine Nummer haben und mich anrufen wollen, das auch machen können. Und will ich wirklich, dass all die Anderen, bei denen ich mich nie melde und die sich doch nie bei mir melden, meine neue Nummer bekommen? Ein Gefühl der Entspannung macht sich in mir breit. Schreibe ein paar Seiten meines neuen Buches. Und beginne langsam zu vergessen, dass ich jemals ein Handy hatte.

Tag 4: Inzwischen genieße ich die Stille. Ich bin alt genug, um mich an die Zeiten vor Mitte der Neunziger zu erinnern, als die meisten von uns noch kein Handy hatten und diejenigen, die eines hatten, entweder in irgendwelche illegalen Geschäfte involviert waren oder lediglich angeben wollten. Erhalte ein Jobangebot über E-Mail und antworte ihnen, sie sollten mich doch bitte zu einer bestimmten Zeit, wenn ich zu Hause bin, auf dem Festnetz anrufen. Ich erkläre, dass ich derzeit kein Handy habe. „Kein Handy? Wie kann man denn so leben?" Um ehrlich zu sein entdecke ich, dass das Leben so stressfreier ist.

Tag 5: Die Sorge darüber, nicht rund um die Uhr erreichbar zu sein, verschwindet. Sehe endlich ein, dass Bekannte, die mich wirklich kontaktieren wollen, mich schon irgendwie finden werden. Treffe mich heute mit jemandem zu einem Abendessen, das wir geplant hatten, als ich noch im Besitz eines Handys war. Habe der Betreffenden vorab eine E-Mail geschickt, um sie wissen zu lassen, dass sie, falls sie spät daran sein sollte, mich nicht über das Handy erreichen können. Normalerweise schicken mir solche Leute immer drei bis vier Nachrichten, während ich ungeduldig im Restaurant warte: Bin spät dran - bin unterwegs - 5 Minuten noch - bestell mir schon mal ein Glas Wein. Auch dieses Mal kommt die betreffende Person zu spät, mit dem Unterschied, dass es mich nicht im Geringsten gestresst hat, da ich keine tausend SMS bekommen habe. Kein Handy zu haben beginnt angenehm zu sein.

Tag 6: Ich wache auf und fühle mich gut. Keine Nachrichten, über die man sich Gedanken machen müsste. Ich entdecke eine neue Art der Freiheit ohne mein Handy. Ich hatte mich daran gewöhnt zu glauben, man müsse zu jeder Zeit erreichbar sein, Tag und Nacht. Jetzt sehe ich das anders. Vielleicht kann ich für immer so leben. Es klingelt an der Tür. Es ist ein Mann vom Kurierdienst. Mein neues Handy ist da. Es sieht bezaubernd aus. Ja, ich finde es richtig toll. Es braucht eine Weile, bis ich den Dreh raus habe. Doch als das Handy dann Eins A läuft, fällt mir auf, dass mein Anbieter die Mailbox weiterhin aktiv gelassen hat, während ich auf mein Ersatzhandy warten musste. Ich rufe die Mailboxnummer in der felsenfesten Überzeugung an, in der Zwischenzeit massig viele Nachrichten erhalten zu haben. Doch was sagt die Stimme? „Keine neuen Nachrichten!"

Letzte Woche: Steve Blame über den Tod

Steve Blame - Die offizielle Website

  • Steve Blame

    Steve Blame ist der neue Entertainment-Kolumnist bei MSN. Der britische TV-Moderator war von 1987 bis 1994 Redakteur bei MTV Europe und Sprecher der MTV News. 2010 veröffentlichte er seine Erlebnisse im Bereich Sex, Drugs und Musik-Biz. In seiner MSN-Kolumne "Blame on ..." wird der Brite die aktuelle Fernsehlandschaft unter die Lupe nehmen und die User hinter die Kulissen von MTV & Co. blicken lassen. Wer könnte das besser als er!? (Foto: Olivier Favre)

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